Spionageverdacht: Chef prorussischer Partei in Polen festgenommen

19. Mai 2016, 17:49
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Gruppierung spricht von "Einschüchterungsversuch"

Warschau – Der Chef einer prorussischen Kleinpartei in Polen ist unter Spionageverdacht festgenommen worden. Mateusz Piskorski, der die von ihm gegründete Partei Zmiana (Veränderung) führt, sei seit Mittwoch in Gewahrsam, teilte die Warschauer Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

Genaue Angaben zu den Spionagevorwürfen gegen Piskorski machte sie nicht. Polnische Medien spekulierten, dass ihm nachrichtendienstliche Arbeit für Russland oder China zur Last gelegt werde.

Durchsuchung

Piskorski hatte seine politische Karriere vor etwa einem Jahrzehnt in der populistischen Bauernpartei Samoobrona (Selbstverteidigung) begonnen. Nach deren Niedergang gründete er seine eigene politische Gruppierung, die aber nie an größeren Zulauf gewann.

Der Festgenommene zählt zu den wenigen polnischen Politikern, die die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland verteidigten. Piskorski trat wiederholt im russischen Fernsehen auf und äußerte sich dort positiv über die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Nach Angaben von Zmiana-Vizechef Konrad Rekas durchsuchten Beamte auch Geschäftsräume der Partei und Wohnungen ihrer Spitzenvertreter. Auf seiner Facebook-Seite sprach Rekas von einem "Einschüchterungsversuch" der Regierung gegen Andersdenkende. Die nationalkonservative Regierung in Warschau verfolgt eine dezidiert russlandkritische Linie. (APA, 19.5.2016)

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