Provenienzforschung im Leopold Museum noch lange nicht abgeschlossen

19. Mai 2016, 17:17
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Die Jahressubvention des Leopold Museums wurde auf 4,3 Millionen erhöht. Der Kompromiss in der Causa Mayländer erwies sich dabei als hilfreich. Indes harren noch rund 3200 Bestandsobjekte der Provenienzforschung

Wien – Wie sehr sich einstige Theorie von späterer Praxis im Museumsalltag unterscheiden kann, führte die Leopold-Museum-Privatstiftung über Jahre vor Augen. Die ursprüngliche Zusicherung, der Betrieb würde sich selbst erhalten, wurde schnell zu Grabe getragen, trotz steigender Besucherzahlen und Einnahmen bescherte der laufende Betrieb Verluste. Weshalb man seit langem einen Kampf um die Erhöhung der öffentlichen Subvention führte. Bis 2014 musste man mit 2,7 Millionen Euro inklusive Mietzuschuss auskommen, 2015 wurde auf 3,3 Millionen erhöht. Das sei zu wenig, beklagte Diethard Leopold, damals noch Mitglied des Stiftungsvorstandes, und forderte zumindest vier Millionen Euro.

Insofern war der 21. April 2016 ein Freudentag: Der im Ministerrat beschlossene Finanzrahmen sah eine Steigerung für das Kunst- und Kulturbudget vor. Die wiederum inkludierte eine Erhöhung der Subvention fürs Leopold-Museum um eine ganze Million auf nunmehr 4,3 Millionen jährlich. Man habe Berechnungen vorgelegt, die dokumentieren, um wie viel das Budget in den vergangenen 15 Jahren an Kaufkraft verlor, verlautet aus dem Museumsumfeld.

Dass man sich in der Causa Karl Mayländer zu einer partiellen Naturalrestitution durchrang, dürfte sich dabei als hilfreich erwiesen haben. Bestätigen will das auf Anfrage niemand, nur so viel: Es fiele leichter, jemanden zu unterstützen, der nicht permanent in der öffentlichen Kritik stehe.

Das Thema Provenienzforschung ist im Leopold-Museum indes noch lange nicht vom Tisch. 2008 richteten Bundesministerium und Stiftung eine "gemeinsame Provenienzforschung" ein. Will heißen: Das Ministerium finanziert zwei Provenienzforscher, die ihren Arbeitsplatz im Museum haben und Zugang zu allen Unterlagen bekommen. Seither sind Sonja Niederacher (Vollzeit) und Michael Wladika (Teilzeit) für die systematische Erforschung des Bestandes zuständig. Bei der Stiftungsgründung umfasste dieser 5266 Objekte. Etwa 1500 davon entstanden laut Angaben des Leopold-Museums nach 1945, womit eine Entziehung ausgeschlossen werden kann.

Keine Prognose zum Forschungsende

Von den verbleibenden rund 3760 Positionen wurden bisher dreihundert beforscht und in zwölf Fällen von der zuständigen Kommission eine Entziehung festgestellt. Rein rechnerisch harren also noch 3260 Werke einer Überprüfung, wobei die Vorbesitzerchronik bei Antiquitäten oder Grafiken kaum rekonstruierbar sein wird.

Darüber, wann die systematische Erforschung abgeschlossen sein wird, will man keine Prognosen abgeben. Als erledigt gelten sämtliche Schiele-Werke, 42 Gemälde und 188 Arbeiten auf Papier, dazu kommen fünf Arbeiten von Anton Romako und drei von Albin Egger-Lienz. Nun stünden Werke von Gustav Klimt, Oskar Kokoschka und Jehudo Epstein auf dem Programm der Provenienzforscher.

Wie man im Leihverkehr und bei Ausstellungen mit dem ungeprüften Bestand verfährt? Laut Museum werden solche Werke hausintern einer Art Plausibilitätsüberprüfung unterzogen, die etwa eine Abfrage einschlägiger Datenbanken und Prüfung von Fachliteratur inkludiert. (Olga Kronsteiner, 19.5.2016)

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