Kontroversielle Studie: Kartoffeln fördern Bluthochdruck

27. Mai 2016, 08:53
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US-Studie löst Debatte aus: Nicht einzelne Nahrungsmittel, sondern das gesamte Essverhalten soll betrachtet werden, sagen Kritiker

Kartoffeln zählen zu den am häufigsten konsumierten Nahrungsmitteln der Welt. Sie gelten als vitamin-, mineral- und ballaststoffreiche Energielieferanten und beinhalten wertvolles Eiweiß. Kalorienreich macht sie erst eine zu fetthaltige Zubereitung. Allein in Österreich werden durchschnittlich knapp 50 Kilogramm Kartoffeln pro Kopf und Jahr verspeist. Wissenschaftler aus den USA warnen jetzt vor einem zu häufigen Verzehr: Wer größere Mengen an Erdäpfeln zu sich nehme, erhöht möglicherweise damit das Risiko von Bluthochdruck.

Die US-Studie bezieht sich auf erwachsene Frauen und Männer und umfasst sämtliche Kartoffelprodukte von gekochten Kartoffeln bis zu Erdäpfelpüree, Ofenkartoffeln, Pommes frites und Chips. Durchgeführt wurde die Untersuchung in Zusammenarbeit von Forschern des Brigham and Women's Spital und der Harvard Medical School. Dafür haben die Wissenschaftler mehr als 187.000 Erwachsene aus drei großen US-Studien 20 Jahre lang mittels Fragebogen begleitet. Sämtliche weitere Risikofaktoren für Bluthochdruck wurden ebenfalls berücksichtigt.

Vier oder mehr Kartoffel-Portionen pro Woche

Das Ergebnis der im British Medical Journal veröffentlichten Untersuchung: Frauen, die pro Woche vier oder mehr Portionen gebackene oder gekochte Kartoffeln beziehungsweise Erdäpfelpüree essen, haben gegenüber Frauen, die maximal einmal im Monat Kartoffeln zu sich nehmen, ein gesteigertes Bluthochdruckrisiko. Bei Männern besteht dieser Zusammenhang nicht. Für beide Geschlechter gilt: Ein häufiger Konsum von Pommes frites könnte das Risiko von Bluthochdruck erhöhen, während sich Kartoffelchips scheinbar nicht darauf auswirken.

Ein möglicher Grund für den Zusammenhang zwischen Kartoffelkonsum und Bluthochdruck könnte den Studienautoren zufolge sein, dass die Knollfrucht einen höheren glykämischen Index hat als andere Gemüsesorten. Dieser gibt an, in welchem Ausmaß der Blutzucker nach der Aufnahme von Kohlenhydraten ansteigt. Die Forscher schlagen vor, einmal am Tag eine Portion Kartoffeln durch eine Portion Gemüse ohne Stärke zu ersetzen. So könne das Risiko von Bluthochdruck möglicherweise gesenkt werden.

Kritik aus Australien

Die Kartoffel-Studie hat den US-Wissenschaftlern Kritik aus Australien eingebracht. Mark Harris von der Universität New South Wales rät davon ab, sich bei Ernährungsstudien auf spezifische Nahrungsmittel zu konzentrieren. Im Leitartikel zur Studie im British Medical Journal schreibt er: "Essverhalten und Konsummuster sind sehr kompliziert und schwer zu messen." Mittels Fragebogen könne man zwar herausfinden, wie häufig jemand bestimmte Speisen zu sich nehme, detaillierte Informationen über die Kochmethoden würden aber beispielsweise fehlen. Deshalb sei es sinnvoller, sich umfassend mit allgemeinen Ernährungsmustern und damit verbundenen Krankheitsrisiken zu befassen als mit einzelnen Nahrungsmitteln. (maka, 27.05.2016)

  • Bei Frauen kann der regelmäßige Verzehr von Erdäpfeln Bluthochdruck verursachen, meinen Forscher. Männer machen Kartoffeln nichts aus, so die Studienautoren.
    foto: apa/dpa/ralf hirschberger

    Bei Frauen kann der regelmäßige Verzehr von Erdäpfeln Bluthochdruck verursachen, meinen Forscher. Männer machen Kartoffeln nichts aus, so die Studienautoren.

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