Chinas Parteisoldaten erhalten Orden

20. Mai 2016, 08:00
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"Partei- und Regierungskomitee zur Vergabe von Orden, Ehrentiteln und Belobigungen" gegründet

Chinas Revolutionsveteranen erhielten Sonderapplaus während der Pekinger Militärparade zum Anlass von 70 Jahren Sieg über Japan. Als ihre Gruppe vergangenen September am Tiananmen-Tor vorbeimarschierte, salutierten sie stolz in ihren Armeejacken, hoch dekoriert mit den ihnen einst verliehenen KP-Orden und Auszeichnungen. Der patriotische Beifall für sie und ihre Abzeichen hatte Folgen. Dreieinhalb Monate später ließ Parteichef Xi Jinping im Politbüroausschuss die Einführung eines neuen nationalen "Vergabesystems von Partei und Regierung für Orden, Ehrentitel und Belobigungen" beschließen, samt der Gründung eines hochrangigen Komitees, das sie künftig verleiht.

In der Rekordzeit von zwei Wochen verabschiedete der Ständige Ausschuss des Volkskongresses den Beschluss auch noch als Gesetz. Nun hat Xi eine neue Idee, wie er sein Volk für den Sozialismus begeistern kann. Statt nur auf Strafen, Antikorruptionskampagnen, Parteisäuberungen, Kritik- und Selbstkritiksitzungen setzt er auf Belohnung: auf Orden und Ehrentitel. Zur Gründungssitzung des Komitees am Mittwoch, das vom obersten ZK-Propagandafunktionär Liu Yunshan geleitet wird, schrieb Xi in einem Grußwort, dass solche Auszeichnungen "wichtige Mittel zur Entwicklung und Vervollkommnung des besonderen chinesischen Sozialismus" sind. Sie würden helfen, die Werte des Sozialismus zu verbreiten, und dienten "als Inspiration". Außerdem seien sie eine starke ideelle Kraft zur Umsetzung von Chinas Traum von der Erneuerung der chinesischen Nation.

"Aufbau des Sozialismus"

Die Auswahl müsse aber gerecht, würdig und autoritativ vor sich gehen. "Lieber keine Auszeichnungen, als die Standards der Vergabe für sie runterzusetzen." Nach dem Gesetz können Chinesen die "staatlichen Orden" erhalten, wenn sie mit besonderen Leistungen "zum Aufbau des Sozialismus mit chinesischen Besonderheiten" oder zur Verteidigung der Nation beitragen. Ausländer, die sich für die sozialistische Modernisierung Chinas oder den chinesisch-ausländischen Austausch verdienstvoll einsetzen, hätten Anspruch auf einen nationalen "Freundschaftsorden".

Alle Auszeichnungen und Ehrentitel werden künftig vereinheitlicht. Chinas Regierung überhäufte in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts Helden der Arbeit, Militärs oder andere Vorbilder mit Orden und Medaillen. Bis zur Kulturrevolution trugen die Ausgezeichneten sie an Nationalfeiertagen. Dann wurden alle Ehren- und Rangabzeichen abgeschafft und nur noch Mao-Plaketten getragen. Erst nach dem Tod des Großen Vorsitzenden kamen sie wieder. Bis 2015 erhielten 1449 Ausländer aus 70 Ländern den "Freundschaftspreis der chinesischen Regierung", darunter 20 Österreicher.

Mit der Einführung der nationalen Auszeichnungen kann Xi künftig seinen Staatsgästen einen Orden ans Revers heften. Vielleicht war das auch ein Grund für die rasche Einführung. Seit seinem Amtsantritt kam Xi fünfmal selbst in den Genuss der Auszeichnung. Von den Präsidenten in Pakistan, Kuba, Venezuela und vom belgischen König erhielt er die Staatsorden am Band. IOC-Chef Thomas Bach verehrte ihm den Olympischen Orden in Gold. (Johnny Erling aus Peking, 20.5.2016)

  • Chinas Präsident Xi Jinping während einer Zeremonie für Kriegsveteranen in Peking im Oktober 2015. In Zukunft sollen in China auch für kleinere Verdienste Orden vergeben werden.
    foto: ap/andy wong

    Chinas Präsident Xi Jinping während einer Zeremonie für Kriegsveteranen in Peking im Oktober 2015. In Zukunft sollen in China auch für kleinere Verdienste Orden vergeben werden.

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