Der Anfang vom Ende des Kabeltelefons?

22. Mai 2016, 12:00
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Siemens probiert gerade aus, ob die Beschäftigten auf das Festnetz verzichten wollen. Stationäre Telefone sollen nur in wenigen Bereichen bleiben

Endlich nicht mehr am Schreibtisch ausharren, weil das Telefon es verlangt. Endlich nicht mehr hinhasten, wenn das Festnetz klingelt? Klingt gut. Ist in Büros aber noch nicht üblich. Ausgerechnet der Telefonpionier Siemens stellt laut einem Bericht der Welt jetzt seine Beschäftigten vor die Wahl, ob sie nicht ihren Festnetzanschluss in der Firma abschalten wollen. Wer sowohl ein Firmenhandy oder Smartphone und zusätzlich ein Festnetztelefon am Arbeitsplatz hat, soll entscheiden, ob er nicht auf das stationäre Telefon verzichten kann. Das klingt nach Umsetzung der Trends im Privaten nun auch in den Büros.

Mobiler, flexibler und billiger

Ein paar Mausklicks am Bildschirm genügen dann bei Siemens auch, um das Ende des Kabeltelefons zu besiegeln. Das angelaufene Projekt mit dem Namen "One Phone" soll nicht nur in Deutschland, sondern auch international umgesetzt werden, erklärt ein Sprecher. Inzwischen ist die Umstellung auch in den USA angelaufen. Mobiles und flexibles Arbeiten soll so besser funktionieren. Dass da auch Kosteneinsparungen zu gewinnen sind, bestreitet Siemens nicht.

Allerdings, berichtet die Welt, profitiere Siemens selbst geschäftsseitig (Siemens-Handys gibt es seit Jahren nicht mehr) nicht von der Umstellung: Die Siemens-Beschäftigten können im Katalog aus Marken wie Apple, Samsung oder Blackberry auswählen.

Kritiker: Ständige Erreichbarkeit nimmt zu

Die Umstellung sei freiwillig, wird ausdrücklich betont, einige ausgewählte Bereiche – etwa bestimmte Sekretariate – blieben allerdings beim guten alten Festnetz.

Bedenken hinsichtlich grenzenüberschreitender Erreichbarkeit via Smartphone auch von Gewerkschaftsseite kontert Stephan Derr, Vorstand des Beraters Steelcase Werndl, in einer Aussendung: "Die Entscheidung von Siemens ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Denn auch wenn im privaten Bereich Smartphones, Tablets und Co kaum mehr wegzudenken sind – in Unternehmen überwiegen fest installierte Techniklösungen gegenüber mobilen Technologien. Der durchschnittliche deutsche Mitarbeiter wird durch veraltete Technologien sprichwörtlich an seinen Schreibtisch gefesselt, 94 Prozent arbeiten noch mit Festnetztelefonen."

Engagement von Selbstbestimmung abhängig

Mobiles Arbeiten spiele beim Engagement und der Zufriedenheit aber durchaus eine große Rolle. Derr: "Unsere globale Studie zeigt, dass die engagiertesten Mitarbeiter weitaus häufiger Laptops, Mobiltelefone und Tablets nutzen als Festnetzanschlüsse oder Computer. Dabei trägt insbesondere der Grad der Selbstbestimmung zu mehr Engagement und Zufriedenheit bei: Mitarbeiter, die die Kontrolle darüber haben, wie und wo sie arbeiten, sind am engagiertesten."

In Zukunft müssten Unternehmen Arbeitsplatzstrategien und Techniklösungen in Einklang bringen, um ihren Mitarbeitern die größtmögliche Selbstbestimmung in Bezug auf ihre Arbeitsweisen zu ermöglichen. (red, 22.5.2016)

  • Geht es dem Festnetz im Büro bald an den Kragen?
    foto: corn

    Geht es dem Festnetz im Büro bald an den Kragen?

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