Zentralmatura: Volksanwaltschaft leitet Prüfung ein

19. Mai 2016, 14:42
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FPÖ sieht Zentralmatura schiefgelaufen

Wien – Die Volksanwaltschaft prüft wieder einmal in Sachen Zentralmatura: Nach zu wenig Literatur 2014 stehen nun die möglichen schlechten Ergebnisse mancher Schulen bei den Mathematik-Klausuren im Fokus. "Volksanwalt Peter Fichtenbauer nimmt sich den Sorgen der Schülerinnen, Schüler und der Eltern an und hat in diesem Fall umgehend ein amtswegiges Prüfverfahren eingeleitet", hieß es in einer Aussendung.

"Nicht nur die scheinbar unverhältnismäßige Schwierigkeit der Aufgaben, sondern auch konkrete Vorgaben zu Prüfungsbedingungen in einzelnen Schulen sollen beleuchtet werden", betonte man weiter. "Wenn an manchen Schulen Taschenrechner, an anderen PC-Programme verwendet werden dürfen, ist die Vergleichbarkeit der Ergebnisse infrage zu stellen", so Fichtenbauer (FPÖ). Man erwarte sich eine Stellungnahme des Bildungsministeriums. "Es kann nicht sein, dass Schüler, die ohne Probleme bis in die Abschlussklassen aufsteigen, dann bei der Matura ausgesiebt werden – noch dazu mehr als die Hälfte aller Angetretenen", meinte auch FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz in einer Aussendung. Die neue Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) müsse sofort handeln. "Diese Mathematik-Matura zeigt, dass unsere Jugend Versuchskaninchen für SPÖ-Bildungsutopien ist. Möglicherweise hat das BMBF mit dieser schiefgelaufenen Zentralmatura den jungen Menschen ein Jahr gestohlen."

Große Bandbreite bei Mathe-Rückmeldungen

- "Sehr unübersichtlich" sind für den Direktor des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), Jürgen Horschinegg, noch die Resultate der Zentralmatura, die heute, Donnerstag, mit den Klausuren in Latein und Griechisch endet. In der Mathematik gebe es eine "große Bandbreite" an Rückmeldungen, so Horschinegg zur APA. Die technische Abwicklung sei "durchwegs positiv gelaufen".

Obwohl mit den erstmals vollzählig teilnehmenden berufsbildenden höheren Schulen (BHS) heuer die doppelte Menge an Schulen zu bewältigen war, sei die gesamte schriftliche Reifeprüfung problemlos abgelaufen, betonte Horschinegg. "Da sind wir auf einem guten Weg." Daher werde man hier möglichst wenig ändern – bei der Eingliederung ins Bildungsministerium, das 2017 die Zentralmatura übernimmt, werde man sich bemühen, die Struktur möglichst zu belassen.

Vorläufig keine Änderungen

Auch inhaltlich wird die Matura im kommenden Jahr gleich bleiben. "Wir sind übereingekommen, in den ersten drei Jahren nichts zu ändern. Wenn man jetzt schon anfängt, an den Inhalten zu schrauben, ist ja nicht mehr herausfindbar, welche möglichen Probleme rein an der Organisation liegen oder ob sich bestimmte Dinge nicht ohnehin mit der Zeit einspielen." Erst ab 2018 seien inhaltliche Änderungen möglich, so Horschinegg: "Und auch das geht nicht von einem Tag auf den anderen. Da muss die Community eingebunden werden und die Wissenschaft."

Erst wenn didaktisch und in den Lehrplänen Änderungen implementiert seien, könnten sie auch bei der Matura gelten. Schwer tut sich Horschinegg noch mit der Bewertung der heurigen Mathe-Matura: "Wir hören von Standorten, wo sie furchtbar ausgefallen sein soll, von anderen, dass sie angemessen war bzw. gut ausgefallen ist." Solange man keine validen Zahlen habe, fische man aber im Trüben: "Man kann das weder widerlegen noch für bare Münzen nehmen." Erst wenn man im Juni nach den Kompensationsprüfungen alle Daten habe, könne man wirklich die Zahlen gegenüberstellen – und auch dann wisse man noch nicht die Gründe. Sämtliche Aufgaben der Matura seien in Feldtests schon einmal oder mehrere Male abgefragt worden, so der Bifie-Direktor.

Restrisiko

Dabei habe sich gezeigt, dass sie mit der gleichen Wahrscheinlichkeit gelöst wurden wie die Matura-Aufgaben des Vorjahrs. Anschließend seien sie nochmals von Fachpraktikern, Mathematikern und Didaktikern überprüft und für in Ordnung befunden worden. Eines sei aber auch klar: "Wirklich wissen, wie die Aufgaben bei der Matura ankommen, tut man erst, wenn man sie gemacht hat. Ein Restrisiko hat man immer." Ausnahme: "Außer man stellt immer dieselben Fragen, aber das wäre ja unsinnig. Noch unsinniger wäre es, wenn man nur andere Zahlen nimmt – davon wollen wir ja weg und hin zu einem besseren Verständnis von Mathematik."

Spagat gefragt

Das von der Schülervertretung aufgebrachte Thema des unterschiedlichen Technologieeinsatzes hält Horschinegg für systemimmanent. "Wir haben jetzt eine sehr unterschiedliche Wirklichkeit an den Schulen. Manche Schulen bzw. manche Klassen arbeiten im Unterricht technologieunterstützt, andere nicht. Wir müssen bei der Matura daher den Spagat schaffen: Wir wollen den einen nichts wegnehmen, den anderen aber auch nichts aufzwingen."

Die Aufgaben seien daher so gestaltet worden, dass sie ohne Technologieeinsatz lösbar seien und mit nicht leichter werden. "Die Aufgaben sind ja nicht einfach in den Computer einzugeben und der wirft dann die Lösung aus." Wenn man etwa in Mathe die Beispiele verstanden habe, brauche man gar keine Computerprogramme für die Lösung – "und wenn ich es verstanden habe und mit Technologieunterstützung noch einen Gegencheck machen will, ist das auch okay." (APA, 15.05.2016)

  • Die Volksanwaltschaft will vor allem prüfen, ob die Aufgaben in Mathematik zu schwierig waren
    foto: apa/robert jaeger

    Die Volksanwaltschaft will vor allem prüfen, ob die Aufgaben in Mathematik zu schwierig waren

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