Album der Woche: Jazz Bigband Graz – "True Stories"

20. Mai 2016, 07:00
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Dynamisch und virtuos präsentiert sich die Big Band auf ihrem neuen Album

Könnte auch klassische Kammermusik sein, was da ertönt: friedvoll, melodiös, recht zugänglich und luftig. Es ist quasi ein akustisches Aufwachen, das mit Riffs, Bläsern, Schlagzeug und Gesang vonstattengeht; es streckt sich die Big Band, reibt sich die Augen, bis sie in voller Munterkeit ein Sopransaxofon (exzellent: Heinrich von Kalnein) zu delikatem Dialog trifft.

Solist und Kollektiv entfachen jene Intensität, die entsteht, wenn das Potenzial einer Großbesetzung mit dem individuellen Können ideal verschmilzt. Die Jazz Bigband Graz zelebriert auf ihrer neuen Einspielung True Stories zahlreiche atmosphärisch wie strukturell starke, intensive Momente.

thomas radlwimmer

Ein Stück wie Time etwa bietet eine Erzählerstimme und eine lyrische Trompete wie auch dichte rhythmische Pointen. Delayed wiederum vermag artifizielle Sounds mit Ideen der leibhaftigen Instrumentalisten zu mixen. Man hört: Hier wird bewusst und Gott sei Dank weit über das konventionelle Soundbild einer traditionellen Big Band hinaus gestaltet. Anklänge an Minimal Music lassen sich finden, und ein bisschen klingt es im Finale nach elegischer Weltmusik. Eine armenische Duduk (gespielt von Patrick Dunst) sorgt für spezielle Tönung (in Vertigo). In Summe eine Einspielung voll überraschender Kontraste und Klangeffekte. Die Möglichkeiten einer Großbesetzung werden ausgenutzt – von munteren Zeitgenossen, die Historie nicht buchstabieren, sondern so dynamisch wie lyrisch deuten. (toš, Rondo, 20.5.2016)

JBBG "True Stories" (Natango Music)

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Jazz Bigband Graz

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    cover: natango music
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