Ein-Dollar-PC fordert Raspberry Pi heraus

19. Mai 2016, 17:06
198 Postings

Open-Source-Platine One Dollar Board ist Arduino-kompatibel und soll "digitalen Analphabetismus" bekämpfen

Die britische Raspberry-Pi-Initiative hat vor einigen Monaten mit dem Raspberry Pi Zero den Preis für Einplatinenrechner drastisch gedrückt. Kostet eine normale Ausgabe des Geräts rund 30 Dollar, wird die abgespeckte Variante, die kürzlich um einen Kameraanschluss erweitert wurde, um fünf Dollar vertrieben.

Doch die Untergrenze scheint noch nicht erreicht zu sein. Entwickler aus Hongkong haben nun das One Dollar Board präsentiert. Wie der Name verrät, handelt es sich um einen Mini-PC, der um nur einen Dollar angeboten werden soll.

foto: one dollar board

Open-Source-Rechner im Kreditkartenformat

Ziel ist es, so schreiben sie auf der Seite ihrer Crowdfundingkampange bei Indiegogo, insbesondere Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern die Möglichkeit zu geben, Programmieren zu lernen, mit Robotik zu experimentieren, sich mit dem Internet der Dinge zu befassen und dem "technologischen Analphabetismus" entgegenzuwirken.

Der niedrige Preis soll es Bildungseinrichtungen erlauben, die Platinen an ihre Schüler zu verteilen und sie für eigene Experimente nach Hause mitzunehmen zu lassen. Teurere Minirechner werden in der Regel nach Unterrichtsende eingesammelt, da das Budget der Schulen stark limitiert ist.

one dollar board campaign

8-Bit-PC im Kreditkartenformat

Das One Dollar Board hat das Format einer Kreditkarte (53,98 x 85,60 Millimeter) und kann dementsprechend auch in der Geld- oder Hosentasche transportiert werden. Die Hardware ist als Open Source deklariert und steht unter Creative-Commons-Lizenz (CC-BY 3.0). Sie ist Arduino-kompatibel, dementsprechend liegt bereits freie Software für ihre Programmierung vor. Entstanden ist die Idee auf der Campusparty (#CPBR8) in Sao Paulo vergangenes Jahr.

Ausstattungstechnisch kann der kleine Rechner freilich nicht mit dem Raspberry Pi mithalten. Betrieben wird er mit einer 8-Bit-CPU, dazu gibt es acht KB RAM, der auf bis zu 256 KB erweiterbar ist. An Bord befinden sich sechs Input/Output-Ports, ein USB-Konnektor sowie zwei LEDs. Dazu gibt es einen Reset-Button, um das Gerät schnell zurücksetzen zu können, optional lässt es sich auch mit einem programmierbares WLAN-Modul (802.11b/g/n) erweitern. Eine Kurzanleitung ist direkt auf die Platine aufgedruckt.

foto: one dollar board

50.000 Dollar angestrebt

Organisiert ist das Unternehmen als "Social Business" nach dem Modell des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus. Man will zumindest 50.000 Ein-Dollar-Rechner per Crowdfunding finanzieren. Interessenten können entsprechende Beiträge leisten, um sich selbst Geräte zu sichern oder an gemeinnützige Organisationen zur weiteren Verbreitung zu spenden. Unternehmen können außerdem für 5.000 Dollar ihr Logo auf den ersten One Dollar Boards verewigen.

Nach wenigen Tagen hat die Crowdfunding-Kampagne über 4.000 Dollar eingenommen. Erreicht werden sollen 50.000 Dollar, die Finanzierung läuft noch zwei Monate. Laut Prognose der Hersteller soll die Auslieferung im Oktober beginnen. (gpi, 19.5.2016)

Share if you care.