Der Wegwerfgrill

19. Mai 2016, 16:00
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Ein Erlebnis oder Teufelsrost

foto: reuters/mike stone

Pro
von Michael Möseneder

Ja, ja, ja, es stimmt natürlich, umwelttechnisch sind Wegwerfprodukte jetzt nicht so der Heuler. Aber im Falle des Grillers sind sie eine formidable Sache. Also falls man die Zubereitung von Speisen über offener Glut nicht als ultimativen Männlichkeitsbeweis betrachtet.

Zugegeben, mit der guten alten Zeit – Mammut erlegen, mit Feuerstein und Zunder lodernde Flammen produzieren – hat so ein Wegwerfgrill bedingt zu tun. Aber die Zeiten ändern sich eben, und Mammuts sind schließlich auch immer schwerer zu finden. Im Gegensatz zu zwei Schopfbraten, für die die Grillergröße ideal ist.

Und es ist bitte so, dass die Aluboxen mit integrierter Kohle zumindest noch das Erlebnis von echtem Feuer und ordentlichem Rauch, der der Wäsche der Nachbarn ein rustikales Odeur verleiht, bieten. Pseudobrutzlern, die vor ihrem Elektrogrill stehen, kann man daher ein mitleidiges, wiewohl überlegenes Lächeln schenken. Ganz verzichten muss man auf das klassische Feeling auch gar nicht – wenn man die Aluschale auf einen Griller stellt.

Kontra
von Katharina Mittelstaedt

Nein, nein, mit Umweltschutz muss der bewusst Lebende den Röstrowdys erst gar nicht kommen. Das Produkt "Wegwerfgrill" erweist sich in seiner Handhabung als derart unpraktikabel, dass sich der Recyclinggedanke erübrigt.

Denn hier überall kann man den Einwegrost nicht verwenden: in Innenräumen, Garagen, auf dem Fensterbrett eines Ottakringer Gemeindebaus (getestet, gescheitert). Für den Balkon ist er mäßig geeignet, in den meisten Parks ist das Zünden eines Grills nicht erlaubt, auf Gehsteigen macht es wenig Spaß, an Seeufern sitzt man um Lagerfeuer.

Dem redlichen Wegwerfgrillmeister bleibt also die Option, diesen Teufelsrost – zuerst Stichflamme, dann kaum Glut – im eigenen Garten zu verwenden. Doch halbgare Würstel und letscherte Zucchinischeiben kann man auch gleich in der schlecht sortierten Küche zubereiten.

Das Einwegröstmeistertum kann also getrost jene einzige Männerdomäne bleiben, die wir nicht durchbrechen. Möge Brüssel den rauchenden Schrott bald verbieten. Mahlzeit! (RONDO, 20.5.2016)

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