Konkurrenz zu Strache: Hofer, der neue blaue Faktor

19. Mai 2016, 09:00
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FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bekommt durch die Präsidentenwahl parteiintern einen starken Player an die Seite

Wien – Mit der Bundespräsidentenwahl ist mit dem blauen Kandidaten Norbert Hofer ein neuer gewichtiger Faktor in der FPÖ herangewachsen. FPÖ-Insider glauben zu bemerken, dass dies FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nur bedingt gefällt, zumal an seiner Seite womöglich ein Konkurrent aufgebaut wurde.

Sollte Hofer die Präsidentschaftswahl gewinnen, wäre Strache sozusagen aus dem Schneider, verliert Hofer, stünde dieser aber zur Gänze der FPÖ zur Verfügung, heißt es, dann könnte es zu einigen für Strache unangenehmen Machtverschiebungen an der Parteispitze kommen.

"Ja, ja, das ist das Wunschdenken der Gegner, das von den Medien herbeigeschrieben wird", sagt FPÖ-Urgestein Andreas Mölzer. Hofer habe einen "fulminanter Wahlkampf hingelegt" und er verfüge über "reelle Chancen", Bundespräsident zu werden, "dann gibt es sowieso keinerlei Kompetenzüberschneidungen". Wenn nicht, bleibe Hofer Dritter Nationalratspräsident und "ein maßgeblicher Faktor" in der FPÖ. Seine Stellvertreterrolle würde "natürlich intensiver werden", sagt Mölzer.

Machtprobe nicht ausgeschlossen

Auch der Historiker und ehemalige FPÖ-Berater Lothar Höbelt ist "sicher" , dass es zwischen Strache und Hofer kurzfristig zu keinen internen Rangeleien kommen werde. Strache habe zu direkt den seinerzeitigen Konflikt zwischen Jörg Haider und Susanne Riess-Passer miterlebt. "Das werden beide nicht anstreben, Derartiges zu wiederholen", sagt Höbelt. Zumindest jetzt noch nicht, "aber vielleicht später einmal" könne eine Machtprobe freilich ausgeschlossen werden.

Wenn sie ihre Rollen ordentlich spielen, könnte ein starker Hofer sogar auch nützlich für die FPÖ sein, glaubt Politikwissenschaftler Peter Filzmaier, weil dann zwei starke Player in der FPÖ auf dem Feld wären. Filzmaier: "Strache könnte am Viktor-Adler-Markt agieren, Hofer bei den Burschenschaftern." Schluss mit der blauen Idylle wäre aber wahrscheinlich, wenn die nächste Wahl nicht – wie von der FPÖ-Spitze gewünscht – ausfalle. Dann könne durchaus die Machtfrage in der FPÖ neu geregelt werden. (Walter Müller, 19.5.2016)

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