In den Gewässern der heimischen Wissenschaft

Kopf des Tages18. Mai 2016, 17:53
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Klement Tockner ist neuer Präsident des Wissenschaftsfonds

Nichts gegen Tausendfüßer in Madagaskar. Aber Gewässerökologie dürfte doch das bei weitem spannendere, möglicherweise auch gesellschaftlich relevantere Thema für eine Dissertation sein. So oder so ähnlich waren wohl die Überlegungen des gebürtigen Steirers Klement Tockner, als er sich Ende der 1980er-Jahre nach dem Studium von Zoologie und Botanik an der Uni Wien für eines von zwei möglichen Dissertationsthemen entschied. Tockner machte sein Doktorat an der Biologischen Station Lunz (heute: Wassercluster) und war fortan mit den Dingen beschäftigt, die für eine Analyse von Gewässern, dem dort lebenden Tier- und Pflanzenbestand und der Umweltbelastung darauf nötig sind.

Schon die Anfänge des 53-Jährigen, der wie erwartet am Dienstag zum neuen Präsidenten des Wissenschaftsfonds (FWF), Österreichs wichtigsten Förderers von Grundlagenforschung, gewählt wurde, waren von großem Engagement für das Fach geprägt. Tockner ging für zwei Projekte nach Afrika, genauer gesagt nach Uganda und Ruanda, um zum Beispiel ein geplantes Wasserkraftprojekt ökologisch zu bewerten. Als Postdoc wieder in Wien, war er an einem Revitalisierungsprojekt für die Donau bei Regelsbrunn beteiligt. Da er sich immer als Europäer mit größtmöglicher Mobilität sah, bewarb er sich schließlich für eine Stelle an der ETH Zürich, wohin er mit seiner Frau, einer Historikerin, übersiedelte. In der Schweiz kamen auch seine beiden Töchter (heute 15 und 17 Jahre alt) zur Welt.

Tockner und seine Familie blieben bis 2007, danach ging es wieder in eine andere europäische Metropole, nach Berlin. Der Wissenschafter wurde als Professor für Aquatische Ökologie an die Freie Universität Berlin berufen und übernahm ebendort die Leitung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei.

Er verlasse Berlin nun mit einem weinenden und einem lachenden Auge, sagt Tockner. Acht Jahre seien eine lange Zeit, "Berlin ist toll, die Stadt lebt Geschichte". Das lachende Auge freut sich auf die Herausforderung, Grundlagenforschung in Österreich gegenüber der öffentlichen Hand, der Wirtschaft und der Bevölkerung so zu kommunizieren, dass sie sich nicht mehr ständig rechtfertigen muss. Der FWF ist derzeit unterfinanziert. Tockner: "Unabhängige Grundlagenforschung ist unabdingbar für das Wohlergehen jeder Zivilgesellschaft." Sie sei ein Grundrecht, und auch dafür werde er eintreten. (Peter Illetschko, 19.5.2016)

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    foto: andy küchenmeister
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