Ausländer zahlen mehr ins Sozialsystem ein, als sie erhalten

19. Mai 2016, 06:00
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Neue Analyse: Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft stützen vor allem die Pensionen

Es ist eine gängige "Wahrheit" an Stammtischen und in Internetforen: 30 Prozent der österreichischen Bevölkerung glauben laut European Social Survey (ESS), dass Ausländer mehr Geld aus Sozialleistungen erhalten, als sie in die staatlichen Töpfe einzahlen. Etwa zwei Drittel gehen davon aus, dass Ausländer pari aussteigen, nur sieben Prozent halten sie für Nettozahler.

Was stimmt? Experten aus dem Sozialministerium und dem Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung haben für das Vorjahr nachgerechnet – und geben der kleinen Minderheit im Volk recht.

Ausländer als Nettozahler

Laut der dem STANDARD vorliegenden Analyse haben Ausländer 2015 etwa 5,3 Milliarden Euro, das sind 9,5 Prozent aller Sozialbeiträge, eingezahlt, aber nur 3,7 Milliarden bzw. 6,1 Prozent der Leistungen herausbekommen. Bei den österreichischen Staatsbürgern dreht sich das Verhältnis um: Sie haben 50,5 Milliarden eingezahlt, aber 57,6 Milliarden erhalten.

Pro Kopf gerechnet bekamen Österreicher um 970 Euro mehr, als sie beisteuerten, Ausländer um 1490 Euro weniger. Unter den Einzahlungen sind alle Sozialbeiträge erfasst, nicht aber Steuern, zumal Konsumsteuern nicht nach Staatsbürgerschaft ausgewiesen sind. Gegengerechnet wurden ausschließlich Geldleistungen, wie sie hierzulande 70 Prozent der Sozialausgaben ausmachen. Die Grundversorgung von Asylwerbern etwa ist nicht inkludiert.

Es sei das niedrigere Alter, das Ausländer zu Nettozahlern mache, so die Analyse: Überproportional viele sind unter 50 Jahre alt – der Lebensabschnitt, in dem das Gros der Sozialabgaben anfällt.

FPÖ-Idee reiße Loch ins Pensionssystem

Umgekehrt sind Ausländer bei Leistungen, die im Erwerbsleben fließen, Nettoempfänger: In die Arbeitslosenversicherung zahlten sie 600 Millionen ein und bekamen 800 Millionen heraus, bei den Familienleistungen beträgt der Saldo 600 Millionen zu einer Milliarde. Für die Mindestsicherung, so die Analyse, sei mangels Daten keine genaue Aussage möglich: Einerseits dürfte der Anteil der Ausländer wegen hoher Armutsgefährdung überproportional sein, anderseits sind manche Gruppen nicht voll berechtigt.

All das wiegen jedoch die Pensionen auf: Ausländer zahlten 2015 für die Altersversorgung 2,8 Milliarden ein, bekamen aber nur 1,1 Milliarden heraus. "In Wahrheit finanzieren Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft die Pensionen", sagt Marc Pointecker, Koautor aus dem Sozialministerium: Die Idee der FPÖ, eine gesonderte Sozialversicherung für Ausländer einzuführen, "würde ins Pensionssystem ein riesiges Loch reißen". (Gerald John, 19.5.2016)

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