Neuer OMV-Chef Löscher stellt sich Aktionärsvertretern

18. Mai 2016, 18:07
12 Postings

Nach der Blutauffrischung im Vorstand der OMV ist nun auch der Aufsichtsrat runderneuert, mit Ex-Siemens-Chef Peter Löscher an der Spitze

Wien – Für Peter Oswald, den Chef des Papierkonzerns Mondi, war es die erste und letzte Hauptversammlung der OMV, die er leitete. Für Peter Löscher, den gebürtigen Kärntner und früheren Chef des deutschen Siemens-Konzerns war es hingegen der erste Kontakt mit Aktionärsvertretern, die von der wirtschaftlichen Performance der OMV zuletzt nur mäßig angetan waren. Löscher (58) wurde bis 2020 an die Spitze des Kontrollgremiums gewählt.

Der Mittwoch, Tag der Hauptversammlung, hatte bewölkt und kühl begonnen. Kurz vor 14 Uhr kämpfte sich die Sonne durch und erwärmte den Vorplatz der Messe Wien. Dorthin hatte die OMV ihre Aktionäre gebeten. Am Eingang hatte eine Gruppe von Greenpeace-Leuten Transparente entrollt. Auf einem war zu lesen: "Die OMV versenkt ihr Geld". Auf einem anderen: "Öl ohne Zukunft – Jetzt Kurswechsel einfordern."

Seele setzt weiter auf Öl

Rainer Seele, der im Vorjahr von der deutschen Wintershall als Nachfolger für Gerhard Roiss an der Spitze der OMV geholt wurde, ging in seiner Rede darauf nicht weiter ein. "Moderne Gesellschaften brauchen Öl und Gas; moderne zukunftsorientierte Wirtschaftsräume brauchen es, innovative, zukunftsfähige Industriestandorte erst recht", sagte er. Öl und Gas hätten Zukunft, daran änderten auch die aktuellen Turbulenzen an den Öl- und Gasmärkten nichts. "Damit ist auch die Zukunftsbasis der OMV definiert", sagte Seele an die Adresse jener gerichtet, die schon seit längerem einen Switch zu erneuerbaren Energien fordern. Konzerne wie die französische Total, die sich verstärkt in Solarenergie engagiert, aber auch Shell und andere gestandene Ölkonzerne haben zumindest Treppelwege in Richtung erneuerbare Energien gelegt.

Kontrolle über Kontrolle

Knapp 2000 Aktionäre bzw. Aktionärsvertreter waren gekommen, um sich über den Zustand des Unternehmens aus erster Hand zu informieren. Dazu mussten sie eine Prozedur wie am Flughafen über sich ergehen lassen – inklusive Sicherheitsschleusen und Körperkontrolle, wenn trotz Abgabe von Schlüssel, Münzen oder Handy der Piepser ansprang.

Mondi-Chef Oswald, der im März überraschend seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat angekündigt und dies mit dem höher als erwarteten Arbeitsaufwand begründet hatte, sprach von einer "schwierigen Situation", in der sich die OMV befinde. Die Strategieänderung unter dem neuen Vorstand, der mit dem Eintritt des künftigen Finanzchefs Reinhard Florey (statt David Davies) am 1. Juli komplettiert sein wird, sollte aber Früchte tragen.

Frankfurter statt Esterházybraten

Neben Löscher, der um das Vertrauen der Aktionäre warb und ständig von ÖMV statt OMV sprach, wurden drei weitere Aufsichtsräte neu bestellt. Mark Hall (58), der bis 2015 Vorstand der Wiener Stadtwerke Holding war, ersetzt den abtretenden Allianz-Chef Wolfram Littich, der langjährige Strategiechef von Shell, Karl Rose (54), kommt für Ex-Raiffeisenbanker Herbert Stepic, Ahmed Matar Al Mazrouei (44) hat für den Großaktionär Ipic aus den Emiraten Alyazia Ali Saleh Al Kuwaiti ersetzt.

Die Zeichen bei der OMV stehen auf Sparen. Das merkte man auch beim Buffet. Statt Esterházybraten mit Kartoffeln und Gemüse Julienne wie im Vorjahr gab es Frankfurter mit Kren und Senf, dazu Wasser, Saft und Bier. (Günther Strobl, 19.5.2016)

  • Bis 2020 an die Spitze des OMV-Aufsichtsrats gewählt: Peter Löscher, früherer Chef des deutschen Siemens-Konzerns.
    foto: apa/pfarrhofer

    Bis 2020 an die Spitze des OMV-Aufsichtsrats gewählt: Peter Löscher, früherer Chef des deutschen Siemens-Konzerns.

Share if you care.