Alterung erodiert Staatsfinanzen: China und USA droht Ramschstatus

20. Mai 2016, 09:00
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Wegen der Alterung der Gesellschaft werden die Staatsschulden langfristig weltweit steigen, besagt eine neue Studie

Wien – Steigende Lebenserwartung und mäßige Geburtenraten sind der Mix, der sich langfristig ziemlich heftig auf die Staatsfinanzen auswirken wird. Für Anleger könnte sich ein Blick auf die Auswirkungen der Alterung auf die Bonität von Ländern lohnen, beeinflusst sie doch die zukünftigen Refinanzierungszinsen und Kreditvolumina. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat nun berechnet, wie sich die Kosten der alternden Gesellschaften langfristig auf Verschuldung und Kreditwürdigkeit von 58 Staaten auswirken könnten, wenn nicht gegengesteuert wird.

Die Antwort: dramatisch. Große Länder wie die USA, Japan, Indien und China müssen bis zum Jahr 2050 mit einer Herabstufung ihrer Bonität auf Ramsch rechnen, heißt es in einer Untersuchung der Ratingagentur (58 Shades of Gray). Die Topnote AAA können demnach nur Schweden, die Schweiz und Australien bewahren. Österreich würde von seiner derzeitigen Bewertung AA+ auf BBB abrutschen und diese gerade noch zwei Stufen über dem Ramsch-Status liegende Bonitätseinschätzung mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien teilen. Obwohl sich Österreich seit dem letzten Bericht vor drei Jahren dank einiger Anpassungen im Pensionssystem in der langfristigen Einstufung etwas verbessert hat, merkt S&P einige kritische Punkte an: So wird das Land zu jener kleinen Staatengruppe zählen, deren öffentliche Ausgaben 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschreiten.

Ohne Gegenmaßnahmen drastische Folgen

Die gesamten alterungsbezogenen Kosten werden von 23,1 auf 25,9 Prozent des BIP im internationalen Vergleich nicht allzu stark steigen. Dabei sollte allerdings das höhere Ausgangsniveau berücksichtigt werden: Die Industriestaaten kommen hier auf einen Medianwert von 16,7 Prozent. Wie auch bei den anderen entwickelten Ländern geht der Ausgabendruck stärker vom Gesundheits- und Pflegewesen aus als vom Pensionssystem.

Die Folgen für die Staatsfinanzen sind – so keine Gegenmaßnahmen gesetzt werden – laut S&P-Untersuchung dramatisch. Das österreichische Budgetdefizit würde schon 2030 auf 5,9 Prozent des BIP klettern, um 2050 acht Prozent zu erreichen. Die Verschuldung triebe diese Entwicklung von 75 auf 132 Prozent des BIP. Damit befände sich Österreich in schlechter Gesellschaft, nämlich ziemlich genau am Medianwert der Industriestaaten. Noch schlechter ergeht es den Schwellenländern, für die 2050 eine Verschuldung von 136 Prozent und ein Defizit von elf Prozent prognostiziert werden. Vor allem China fährt in der Projektion katastrophale Werte ein.

Die große Schwierigkeit bei der Bewältigung der Alterungskosten ist laut S&P, die Ausgabendynamik zu bremsen, ohne die Ungleichheit zu erhöhen und den Konsum durch Kürzungen zu bremsen. Je früher Anpassungen stattfinden, desto besser. (Andreas Schnauder, 20.5.2016)

  • Die zunehmende Überalterung der Gesellschaften werden die Staatsfinanzen auf lange Sicht weltweit unter Druck bringen.
    foto: apa/dpa-zentralbild/jens büttne

    Die zunehmende Überalterung der Gesellschaften werden die Staatsfinanzen auf lange Sicht weltweit unter Druck bringen.

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