Fußballaktien: Konterspiel an der Börse

23. Mai 2016, 09:00
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Seit einem Einbruch im Jahr 2011 grundeln die meisten Klubs am Aktienmarkt dahin. Hartgesottenen Anlegern eröffnet das Chancen

Wien – Beinahe ein Vierteljahrhundert ist es her, dass sich Österreichs Fußballrekordmeister Rapid vom grünen Rasen aufs glatte Börsenparkett gewagt hat. Ausgegeben wurden im September 1991 Aktien der Rapid Finanz AG um damals 1100 Schilling, doch im Börsenhandel ging dem Papier rasch die Puste aus. Bereits im April 1994 ist die Gesellschaft in die Insolvenz geschlittert und wurde anschließend liquidiert.

Doch für die Geldgeber wurde das Börsenabenteuer des österreichischen Rekordmeisters nicht zwingend ein Eigentor – zumindest für jene, die sich nicht mit einer Niederlage abfanden und sich die Aktien physisch ausliefern ließen. Diese werden inzwischen als historisches Wertpapier zu Sammlerpreisen gehandelt, bei Versteigerungen liegen die Rufpreise im Bereich von 65 Euro. Das entspricht knapp 900 Schilling, womit aus einem drohenden Totalausfall nur ein vergleichsweise geringer Verlust wurde.

Durchwachsene Bilanz

Dennoch, für die Investition in einen Fußballverein brauchen Anleger Nerven aus Stahlseil. Zur Verdeutlichung möge der AS Rom herhalten, der sich als zweiter italienischer Klub an den Aktienmarkt gewagt hat. Wer beim Börsengang im Jahr 2000 investierte, verlor bis heute ungefähr vier Fünftel des Einsatzes. Den größten Tagesverlust, ein Minus von 38 Prozent, verzeichnete die Aktie im April 2011, als bekannt wurde, dass die Mehrheit des Vereins an US-Investoren verkauft wurde. Wer dem Papier die Treue hielt, wurde gut zwei Jahre später belohnt. Die Römer starteten in die Ligasaison 2013/14 mit einer Siegesserie, die zehn Spieltage anhielt. Die Folge: Die Aktie verdreifachte sich binnen weniger Wochen.

Fußballaktien haben sich zuletzt nur schwer in die Herzen der Börsianer spielen können, wie ein Blick auf den Stoxx Football Index offenbart. Nach einem Absturz im Jahr 2011 dümpelte er auf tiefem Niveau dahin, zeigte erst heuer wieder einen Aufwärtstrend. Dabei erreichten laut der Beratungsgesellschaft Deloitte die Erlöse der 20 umsatzstärksten Vereine in der vergangenen Saison 6,6 Milliarden Euro, Tendenz steigend.

Allerdings sind etwa Real Madrid, mit 577 Millionen Umsatzkönig, oder Bayern München nicht börsennotiert. In Frankfurt wird jedoch die Nummer elf im europäischen Umsatzranking, Borussia Dortmund, gehandelt: Nach drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres stiegen die Erlöse um ein Fünftel, unterm Strich stand jedoch ein Fehlbetrag von mehr als 13 Millionen Euro zu Buche. Kein Wunder, dass die Aktie nach einem mehrjährigen Aufwärtstrend seit dem Vorjahr kaum mehr vom Fleck kommt.

Kein Schnäppchen

Auch Manchester United ist nicht im Index, da das Unternehmen für sein Börsencomeback im Jahr 2012 New York als Handelsplatz auserkoren hat. Womöglich ein gewiefter Steilpass, denn die Aktie ist eine der wenigen, die über dem Ausgabekurs notieren – obwohl der Verein in diesem Ligajahr die Qualifikation für die Champions League verpasst hat.

Im laufenden Jahr 2015/16 verzeichnete ManUnited nach drei Quartalen deutliche Umsatz- und Ertragssteigerungen, allerdings ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 35 kein Schnäppchen. Ein Sicherheitsnetz bietet sich jedoch: Im Gegensatz zu anderen Branchen wurden viele Fußballaktien wie jene von Manchester noch physisch gedruckt – sprich, sie können im schlimmsten Fall wie das Rapid-Papier immer noch zum Sammlerpreis gehandelt werden. (Alexander Hahn, 23.5.2016)

  • Manchester United hat zwar trotz eines Sieges im letzten Ligaspiel gegen Bournemouth die Qualifikation für die Champions League, dem ultimaiven Geldesel im Spitzenfußball, verpasst, hält sich an der Börse dennoch wacker.
    foto: apa/afp/lindsey parnaby

    Manchester United hat zwar trotz eines Sieges im letzten Ligaspiel gegen Bournemouth die Qualifikation für die Champions League, dem ultimaiven Geldesel im Spitzenfußball, verpasst, hält sich an der Börse dennoch wacker.

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