Josef Ostermayer: Verteilen und herrschen

Analyse18. Mai 2016, 16:18
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Die Bilanz des Kulturministers kann sich sehen lassen. Den Koalitionspakt arbeitete er, rascher als gedacht, Punkt für Punkt ab: Machtbewusst, aber mit Ergebnissen

Wien – Das Problem politischer Kurzatmigkeit brachte einst Bismarck auf den Punkt: "In anderthalb Jahren, meine Herren, lässt sich viel Böses tun, aber nicht sehr viel Gutes."

Recht viel mehr Zeit war auch Josef Ostermayer nicht gegeben – zumindest als Kulturminister. Dass ihm unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise – die andernorts Kürzungen beim Kulturbudget nach sich gezogen hätte – doch so manches Gute gelang, ist eine Leistung.

Im März 2014 angetreten, brachte er innerhalb kurzer Zeit viele Kulturschaffende hinter sich. Er sei jemand, der zuhöre und dann klare Entscheidungen treffe, hörte man oft. Doch ein Neustart unter Bundeskanzler Kern war mit dem Faymann-Intimus Ostermayer schwer vermittelbar. Thomas Drozda beerbt ihn nun aus taktischen Gründen.

Der Paukenschlag, mit dem Ostermayers Ära endet, ist mindestens so laut, wie jener, mit dem sie begann: Im kurz vor Amtsantritt bekannt gewordenen Burgtheater-Finanzdebakel handelte er rasch, sorgte für personelle Wechsel und Strukturreformen vom Theater über die Holding bis hinein ins Ministerium.

Große Gaben, kleine Initiativen

Als Jurist war ihm stets daran gelegen, Rechtssicherheiten zu schaffen: Urheberrecht, Bundestheater, Bundesmuseen, Kunstförderung, Kulturgüterrückgabe und Spendenabsetzbarkeit erhielten gesetzliche Anpassungen. Punkt für Punkt arbeitete Ostermayer den Koalitionspakt bereits vorzeitig ab – als hätte er gewusst, wie sehr die Zeit drängt. Wenig Gestaltungswillen zeigte er hingegen im medienpolitischen Bereich.

Sein Prestigeprojekt Haus der Geschichte in der Neuen Burg boxte Ostermayer auch gegen Widerstände durch und beendete damit eine seit Jahrzehnten schwelende Diskussion. Dass er dafür den Ausbau des Weltmuseums beschnitt, wird als Makel bleiben.

Geben und nehmen, verteilen und herrschen – das Mantra des besonnenen Taktikers – zeigte sich oft. Mit großen Gaben (Millionen für die Bundestheater) und kleineren Initiativen (45.000 Euro für einen österreichischen Buchpreis) sicherte er sich die Unterstützung der zuletzt auch laut für ihn eintretenden Kulturszene.

Seinen letzten großen Auftritt als Meister der Diplomatie hatte Ostermayer im April. Das Leopold-Museum rang sich in einem Restitutionsstreit erstmalig eine vielbeachtete Naturalrückgabe ab. Die inoffizielle Belohnung kam ein paar Tage später in Form einer Subventionserhöhung. Verteilen und herrschen. Mit Mehrwert. (Stefan Weiss, 18.5.2016)

  • Im März 2014 angetreten, brachte Josef Ostermayer innerhalb kurzer Zeit viele Kulturschaffende hinter sich. Als Jurist schuf er in vielen Dingen Rechtssicherheit, sein Prestigeprojekt Haus der Geschichte boxte er auch gegen Widerstände durch. Nun folgt ihm der Theatermanager Thomas Drozda nach.
    foto: apa/fohringer

    Im März 2014 angetreten, brachte Josef Ostermayer innerhalb kurzer Zeit viele Kulturschaffende hinter sich. Als Jurist schuf er in vielen Dingen Rechtssicherheit, sein Prestigeprojekt Haus der Geschichte boxte er auch gegen Widerstände durch. Nun folgt ihm der Theatermanager Thomas Drozda nach.

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