US-Historiker Fritz Stern gestorben

18. Mai 2016, 15:46
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1938 mit seiner Familie aus Deutschland vertrieben, erforschte er die Entstehung des Nationalsozialismus und wurde zum Deutschland-Kenner

New York – Der US-Historiker und Deutschland-Experte Fritz Stern ist am Mittwoch im Alter von 90 Jahren in New York gestorben. Das teilte eine Sprecherin des Verlags C. H. Beck mit. Die Geschichtswerke des ehemaligen Professors an der Columbia University wurden zu Klassikern des Fachs, seine Memoiren "Fünf Deutschland und ein Leben" zum Bestseller.

Stern wurde am 2. Februar 1926 in Breslau in eine traditionsreiche Arztfamilie jüdischer Abstammung hinein geboren. 1938 floh die Familie nach New York. Stern studierte an der Columbia und wurde dort schließlich Professor. Er forschte über die Geschichte des modernen Europa im 19. und 20. Jahrhundert, insbesondere die Entstehung des Nationalsozialismus, und veröffentlichte dazu zahlreiche Werke. Stern, der in zweiter Ehe mit der Autorin Elisabeth Sifton verheiratet war und aus seiner ersten Ehe zwei Kinder hat, galt als großer Kenner Deutschlands – fühlte sich aber "als amerikanischer Bürger".

Warner vor neuem "Zeitalter der Angst"

Sein Leben lang setzte er sich für Deutschland ein. 1990 überzeugte er sogar die britische Premierministerin Margaret Thatcher, dass man vor einem wiedererstarkenden Deutschland keine Angst zu haben brauche. Der frühere US-Botschafter in Deutschland, Richard Holbrooke, nannte ihn einmal einen "lebenden nationalen Schatz". Bis zuletzt arbeitete Stern und meldete sich in der Öffentlichkeit zu Wort.

Nur wenige Monate vor seinem Tod warnte er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur angesichts des Rechtsrucks in vielen europäischen Ländern vor einem bevorstehenden "Zeitalter der Angst". "Ich habe mich manchmal beschwert, dass ich aufgewachsen bin mit dem Ende einer Demokratie und jetzt, am Ende des Lebens, die Kämpfe um die Demokratie noch einmal erleben muss. Eigentlich eine traurige Bilanz." (APA, 18.5.2016)

  • Fritz Stern auf einem Foto aus dem Jahr 2009.
    foto: apa/epa/angelika warmuth

    Fritz Stern auf einem Foto aus dem Jahr 2009.

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