Österreichisches Start-up erhält 500.000 Euro für "sehenden" Schuh

29. Mai 2016, 17:13
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Walkassist warnt vor Hindernissen – Marktstart ist für 2017 geplant

Das niederösterreichische Start-up Tec Innovation arbeitet an einem Schuh, der Träger und Trägerinnen vor Hindernissen warnt. Der Schuh richtet sich vor allem an Menschen mit Sehbeeinträchtigung und ältere Personen. Vor kurzem hat das Start-up eine Investmentrunde in Gesamthöhe von 500.000 Euro abgeschlossen. Ziel ist nun der Marktstart 2017.

Hindernisse bis fünf Meter Entfernung

Der Schuh ist mit verschiedenen Sensoren ausgestattet und kann Hindernisse in bis zu fünf Meter Entfernung erkennen. Taucht ein Hindernis auf – etwa ein Hydrant auf der Straße oder eine Treppe – wird der Träger entweder durch Vibrationsfeedback direkt im Schuh, durch akustische oder visuelle Signale gewarnt. Die akustische Warnung soll über einen Kopfhörer erfolgen, der die Schallwellen über das Jochbein überträgt. Bei so einem System bleiben die Gehörgänge frei.

Die Art des Feedback sollen Nutzer selbst wählen können, erklärt Geschäftsführer Kevin Pajestka dem WebStandard. Zudem soll das System erkennen, ob sich der Träger in einer freien oder dichten Umgebung befindet – also etwa über einen leeren Platz geht oder sich in einer Menschenmenge befindet. Bis zur Marktreife müssen noch mehrere Testphasen durchgeführt werden, so Pajestka. Diese werden mit mehreren Menschen mit Sehbeeinträchtigung durchgeführt.

Interesse bei Bundesheer und Feuerwehr

Zunächst soll der Schuh in Österreich und Deutschland im Frühjahr 2017 auf den Markt kommen. Später werden auch andere europäische Länder und letztendlich auch die USA anvisiert. "Wir sind bereits mit namhaften Schuhherstellern in Kontakt, wie beispielsweise Waldviertler. Ein exakter Hersteller ist jedoch noch nicht selektiert", so Pajestka. Auch die Berufsfeuerwehr Wien und das Österreichische Bundesheer haben Interesse bekundet. Der Schuh könnte sie etwa bei schlechten Sichtverhältnissen warnen.

Als erstes Modell ist ein Freizeitschuh geplant, später sollen auch Sport-, Wander-, Abend- und Kinderschuhe hergestellt werden. Der Preis soll sich zwischen 1.200 und 1.500 Euro bewegen, wobei für Kinderschuhe ein günstigeres Tauschsystem geplant ist.

Keine 100-prozentige Garantie

Ein Massenprodukt für den normalen Schuhfachhandel dürfte der Walkassist nicht werden, denn jeder Schuh soll an den Benutzer angepasst werden. Das soll Großteils per Online-Konfigurator geschehen, der Menschen mit Sehbeeinträchtigung auch per Sprachausgabe zur Verfügung stehen soll. Vereinzelt will man den Schuh auch in Geschäften anbieten.

100 Prozent verlassen können wird sich ein Träger auf die Signale des Schuhs aber nicht, sagt Pajestka. Diesen Eindruck wolle man auch gar nicht erwecken. "Es dient lediglich zur Unterstützung im Alltag. Wenn der Benutzer bestimmte Warntöne (niedriger Akkustand, Sensordefekt, etc.) überhört, können wir nichts dafür." (Birgit Riegler, 29.5.2016)

  • Beim Protoyp des Walkassist sind die Sensoren noch außen angebracht, 2017 soll der Schuh in den Handel kommen.
    foto: tec innovation

    Beim Protoyp des Walkassist sind die Sensoren noch außen angebracht, 2017 soll der Schuh in den Handel kommen.

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