Mobilfunk: AK fordert sekundengenaue Abrechnung

18. Mai 2016, 13:39
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Test: Große Unterschiede bei Internettaktung

Handytelefonate werden bei den meisten Mobilfunkern ausschließlich in vollen Minuten abgerechnet. Nur zwei Anbieter rechnen – alle oder zumindest einzelne Tarife – sekundengenau ab. Bei der Datennutzung wird es sehr unübersichtlich: Sowohl zwischen den Anbietern als auch bei den Produkten der einzelnen Anbieter wird sehr unterschiedlich getaktet. Der Datentakt kann sich sogar noch nach Verbrauch der inkludierten Datenmenge ändern. Das zeigt ein aktueller Test der Arbeiterkammer bei 17 Anbietern für insgesamt 189 Handy- und Internettarifmodelle. Als Reaktion auf den Test forder die AK eine einheitliche Taktung, am besten sekunden- oder bytegenau.

113 Handytarife und 76 mobile Internettarife untersucht

Die AK hat im April bei 17 Anbietern 113 Handytarife und 76 mobile Internettarife untersucht: A1, T-Mobile, DREI, bob, tele.ring, HoT, Red Bull Mobile, yesss!, S-Budget, UPC, spusu, Ge org!, wowww!, yooopi!, VOLmobil, Allianz und eety.

Die überwiegende Anzahl der Anbieter (15 von 17) rechnet Handygespräche ausschließlich in vollen Minuten ab – 60/60. Nur spusu taktet alle Gespräche im Sekundentakt. DREI hat ebenfalls einen Standardtarif mit der Taktung 1/1 (Sekundentaktung). "Bei einer sekundengenauen Abrechnung kommen die Konsumenten zweifellos am besten weg", sagt AK Konsumentenschützerin Daniela Zimmer.

Sekundentaktung

So kommt in Summe bei 102 Tarifen (90,3 Prozent) die Minutentaktung zur Anwendung und nur bei elf Tarifen (9,7 Prozent) die Sekundentaktung.

Ein Beispiel: Herr A. ruft in ein Fremdnetz an. Die Kosten: 20 Cent pro Minute sowohl bei einer theoretischen Tarifvariante mit Sekundentaktung wie auch beim Tarif mit Taktung einer Minute (60/60). Die Mobilbox meldet sich. Herr A. möchte nicht darauf sprechen, sondern legt sofort auf. Verbindungsdauer: eine Sekunde. Vergebührung bei einem Tarif mit Sekundentaktung: eine Sekunde = 0,33 Cent; beim Tarif mit 60/60-Taktung: 60 Sekunden = 20 Cent. "In diesem Fall sind die Verbindungskosten bei der Minutentaktung 60-mal so hoch wie die Verbindung mit einer Sekundentaktung", rechnet Zimmer vor.

Beachtliche Unterschiede

Bei der Internettaktung gibt es auch beachtliche Unterschiede zwischen den Anbietern, aber auch innerhalb der Produkte der einzelnen Anbieter. Im besten Fall wird byteweise abgerechnet, im ungünstigsten Fall findet sogar eine 1-MB-Taktung statt. Ein MB sind 1.024 KB. Das bedeutet: Bei einem E-Mail-Check mit vielleicht fünf KB Datenverbrauch werden in einem Fall genau die fünf KB abgebucht. Im anderen Fall aber ein MB – das ist mehr als das 200-Fache als bei der günstigen bytegenauen Taktung.

Nur neun von 17 untersuchten Anbietern takten alle ihre Produkte gleich. Bei acht Anbietern werden jedoch ihre angebotenen Produkte unterschiedlich getaktet. Womit die wenigsten rechnen: Bei manchen Produkten ändert sich die Taktung auch abhängig davon, ob man sich innerhalb des Freidatenkontingents bewegt oder außerhalb. (red, 18.5. 2016)

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AK

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