Magic Mushrooms könnten Depressionen lindern

18. Mai 2016, 12:56
72 Postings

Eine Studie mit zwölf Patienten hat ergeben, dass so genannte Zauberpilze Depressionen lindern könnten. Sie stehen aber auch im Verdacht, Psychosen auzulösen

"Magic Mushrooms" könnten nach Einschätzung von britischen Wissenschaftern eventuell eine Hilfe für schwer depressive Patienten darstellen. In einer kleinen Pilotstudie mit zwölf Patienten wurde der Einsatz von Psilocybin, dem Wirkstoff von Zauberpilzen (Magic Mushrooms), bei behandlungsresistenten Depressionen getestet.

In der Untersuchung sei der Wirkstoff sicher und verträglich gewesen, erklärten die Wissenschafter. Bei allen Patienten habe sich die Depression über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen etwas verbessert. Sieben der Patienten hätten noch nach drei Monaten eine positive Reaktion gezeigt, bei fünf habe die Depression auch über diesen Zeitraum hinaus nachgelassen.

Es handelte sich dabei aber um eine Mini-Studie, die keine Wirksamkeit statistisch belegen kann. Sie wurde in "Lancet Psychiatry" publiziert. "Magic Mushrooms" stehen genauso im Verdacht, bei bestimmten Personen Psychosen auszulösen. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Behandlung von Depressionen sind auch sehr stark durch Placebo-Effekte mitbestimmt. Für den Nachweis einer Wirksamkeit benötigt man Studien mit Hunderten bis Tausenden Probanden.

Riskanter Ansatz

Der Wissenschafter Robin Carhart-Harris, der die Studie am Londoner Imperial College leitet, bezeichnete die Ergebnisse als eindrucksvoll, warnte aber auch: "Ich möchte nicht, dass die Leute jetzt denken, dass ihre Depressionen behandeln können, indem sie ihre eigenen Zauberpilze sammeln. Dieser Ansatz könnte riskant sein." Man befinde sich mit diesen Ergebnissen noch ganz am Anfang.

Die Patienten erhielten Psilocybin-Kapseln in zwei Sitzungen mit einem Abstand von sieben Tagen. Die sechs Frauen und sechs Männer zwischen 30 und 64, bei denen eine behandlungsresistente Depression diagnostiziert worden sei, seien umfassend untersucht worden, bevor sie an der Studie hätten teilnehmen dürfen. Zudem seien sie während und nach der Einnahme beobachtet worden.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden weltweit rund 350 Millionen Menschen an Depressionen. Viele von ihnen sprechen auf die Behandlungen mit Antidepressiva und kognitiven Verhaltenstherapien an, bei etwa 20 Prozent von ihnen zeigt sich aber keine Verbesserung der Krankheit. Psilocybinhaltige Pilze sind weltweit verbreitet und wurden in der Geschichte vor allem für religiöse Rituale eingesetzt. Zu den Nebenwirkungen gehören Angststörungen und Panikattacken, der Besitz und Handel von psilocybinhaltigen Pilzen ist strafbar. (APA, Reuters, 18.5.2016)

  • Nach der Einnahme von Kapseln mit dem Wirkstoff Psilocybin haben sich bei sieben Patienten noch nach drei Monaten positive Reaktionen gezeigt.
    foto: wikipedia/patrick ullrich, de:benutzer:pu8807/(CC-Lizenz)

    Nach der Einnahme von Kapseln mit dem Wirkstoff Psilocybin haben sich bei sieben Patienten noch nach drei Monaten positive Reaktionen gezeigt.

Share if you care.