AMS-Chef Kopf: So kann Kern kurzfristig gegen Arbeitslosigkeit kämpfen

18. Mai 2016, 14:22
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Wenn das Vertrauen in den Standort Österreich steigt, würde wieder mehr investiert werden

Wien – Kurzfristig lässt sich gegen die hohe Arbeitslosigkeit in Österreich wenig machen, da sind sich die meisten Ökonomen einig. Dem neuen Kanzler Christian Kern (SPÖ) sind die Hände trotzdem nicht gebunden. Wenn er glaubhaft macht, dass Österreich als Wirtschaftsstandort attraktiver wird, könne das eine Trendwende bringen, sagte AMS-Chef Johannes Kopf am Rande einer Pressekonferenz zum STANDARD.

Bei seiner Antrittsrede als Kanzler hat Kern die Senkung der Arbeitslosigkeit als eine seiner Prioritäten angekündigt. Die zuletzt wegen des schwachen Wirtschaftswachstums und der starken Zuwanderung gestiegene Arbeitslosigkeit lasse sich derzeit nicht mit klassischer Arbeitsmarktpolitik bekämpfen, sagt Kopf. Das heißt: Es braucht in erster Linie mehr Jobs und nicht anders oder besser ausgebildete Arbeitslose.

"Das klingt jetzt blöd, aber Unternehmer sind auch Menschen", sagt Kopf. Eine Investition rechne sich immer erst in einigen Jahren. Ein Unternehmer muss also prognostizieren, wie sich die Lage in einem Land künftig entwickelt. Genau hier könne Kern ansetzen, sagt Kopf. Wenn er mit guter PR das Vertrauen in den Standort stärke, könnte sich die Stimmung drehen. Unternehmen würden auf viel Geld sitzen, es aber nicht investieren – eben weil derzeit das Vertrauen fehle.

Nur PR ist zu wenig

"Nur mit guter PR geht es aber auch nicht", sagt Kopf. Es brauche eine Bildungsreform, einen Abbau von Bürokratie und eine Senkung der Lohnnebenkosten. Das sind großteils langfristige Projekte. Eine Bildungsreform, die die Chancen von jungen Schülern aus sozial schwächeren Schichten verbessert, wirkt sich erst in zehn oder 15 Jahren auf dem Arbeitsmarkt aus. Die Stimmung könnte es aber trotzdem drehen, sagt der AMS-Chef.

Das Ganze könnte in etwa so vonstattengehen: Österreich krempelt sein Bildungssystem um, was Medien und Experten seit langem fordern. Die reagieren dann durchwegs positiv. Wenn dann etwa der renommierte "Spiegel" in Deutschland positiv über die österreichische Bildungsreform berichte und auch noch Lob vom obersten Wirtschaftsforscher des Landes, Wifo-Chef Karl Aiginger, komme, könne das eine Trendwende herbeiführen.

Konjunktur besser

Indessen geht Kopf davon aus, dass heuer deutlich weniger als die erwarteten 30.000 zusätzlichen Flüchtlinge beim AMS als arbeitslos gemeldet werden. Ein Flüchtling gilt dann als arbeitslos, wenn er das Asylverfahren hinter sich hat, im Land bleiben darf und keinen Job hat. Die Verfahren dauern länger, deshalb geht das AMS von weniger Kunden aus. Im Vergleich zum Vorjahr gebe es derzeit 8.000 zusätzliche arbeitslose Flüchtlinge, pro Monat würden etwa 1.000 dazukommen, so Kopf.

Bei der Konjunktur ist der AMS-Chef optimistischer als die heimischen Wirtschaftsforscher. Wifo und IHS erwarten für heuer ein Wachstum von 1,6 beziehungsweise 1,5 Prozent. Das ist viel zu wenig, um die Arbeitslosigkeit bei der hohen Zuwanderung zu senken. Auf dem Bau haben derzeit deutlich mehr Leute einen Job, sagt Kopf. Noch würden ihm aber die Zahlen fehlen, ob das wegen der steigenden Nachfrage von Häuslbauern, der öffentlichen Hand oder der Industrie so sei.

Baut die Industrie mehr, sei das ein Zeichen für eine nachhaltige Verbesserung der Konjunktur. "Meine These: Die Prognosen für das Wirtschaftswachstum sind zu niedrig", sagt Kopf. Grund für Optimismus sei das aber noch lange nicht. Das AMS gehe weiterhin von einer bis 2018 steigenden Arbeitslosigkeit aus. (Andreas Sator, 18.5.2016)

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  • Auch wenn Reformen Zeit brauchen, kann der neue Bundeskanzler etwas gegen die Arbeitslosigkeit tun. Er müsse bei der Stimmung im Land ansetzen, sagt AMS-Chef Johannes Kopf.
    foto: regine hendrich

    Auch wenn Reformen Zeit brauchen, kann der neue Bundeskanzler etwas gegen die Arbeitslosigkeit tun. Er müsse bei der Stimmung im Land ansetzen, sagt AMS-Chef Johannes Kopf.

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