"So schmeckt die Welt": Rezepte aus dem Frauenhaus

18. Mai 2016, 13:44
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20 prominente KöchInnen kochen Gerichte aus dem Frauenhaus. Für die gute Sache – und weil es schmeckt

Kochbananen mit Huhn, Sarmale oder Topfenknödel: Besondere Rezepte von besonderen Frauen versammelt das Kochbuch "So schmeckt die Welt". Das Spezielle daran: Sie stammen allesamt von Frauenhausbewohnerinnen, deren Rezepte von prominenten Meisterköchinnen und -Köchen nachgekocht wurden. So haben sich zum Beispiel Lisl Wagner-Bacher, Sarah Wiener, Eva Rossmann, Jaqueline Pfeiffer und zahlreiche andere an diesem Werk beteiligt.

"Ein Prinzip der Frauenhäuser ist das Leben in Diversität. Bei uns leben Frauen aus unterschiedlichsten Nationen und Herkunftsländern", so Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF). "Diese Vielfalt und Internationalität spiegelt sich auch beim Kochen wider. Traditionelle Speisen aus der Heimat zuzubereiten, kann identitätsstiftend wirken, darüber hinaus ermöglicht es einen Austausch zwischen den Kulturen."

Austausch zwischen den Kulturen

20 Köchinnen und Köche sowie RestaurantbesitzerInnen beteiligten sich an dem Buch, Claudia Prieler fotografierte die ProtagonistInnen, die Speisen und das "Making of". Die Rezepte sind durchwegs einfach nachkochbar und übersichtlich mit einer Zutatenliste, Personenzahl und Zubereitungszeit versehen. Ihre Vielfalt umspannt, wie im Titel angekündigt, die ganze Welt.

"Gewalt gegen Frauen, gibt es die überhaupt noch?" So denken viele. Die Zahlen sprechen leider eine andere Sprache. Was kaum einer wahrhaben will, ist bittere Realität: Jede dritte Frau in der EU hat körperliche oder sexuelle Gewalt seit ihrer Jugend erlebt", so die Spitzenköchin Sarah Wiener.

Tatort Kindheit

Das viele von Kindheit an betroffen sind, zeigt auch die neueste österreichische Frauenhausstatistik: Rund die Hälfte der FrauenhausbewohnerInnen sind Kinder. Im Jahr 2015 waren 741 Kinder mit ihren Müttern in einem der 19 autonomen Frauenhäuser in Österreich untergebracht (insgesamt 1.511, davon 770 Frauen). Frauenhäuser sind damit auch wichtige Kinderschutzeinrichtungen. In jedem Frauenhaus betreuen speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen die Kinder, arbeiten mit ihnen das Erlebte auf und geben Hilfestellung beim Lernen.

Im Frauenhaus können Frauen und Kinder zusammenbleiben. Das ist besonders wichtig, weil viele Frauen Angst haben, ihre Kinder zu verlieren, wenn sie sich von ihrem gewalttätigen Partner trennen. Diese Angst nützen die Gewalttäter, indem sie den Betroffenen drohen, dass sie ihre Kinder niemals wiedersehen würden, wenn sie sich für eine Trennung entscheiden.

"Das Frauenhaus gibt den Frauen erst einmal physischen Schutz, ein Dach über dem Kopf und ein Umfeld, in dem sie zur Ruhe kommen können. Darüber hinaus ist es ein Ort, an dem von Gewalt betroffene Frauen sich wieder auf sich selbst und ihre Ressourcen besinnen und Kraft finden können. Gemeinsame Aktivitäten wie Kochen können dabei helfen", so Rösslhumer. Und: Mit dem Kauf des Kochbuchs wird die Arbeit der autonomen Frauenhäuser unterstützt. (Tanja Paar, 18.5.2016)



Info

Die Frauenhelpline gegen Gewalt steht täglich rund um die Uhr unter 0800 / 222 555 zur Verfügung.

Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser

  • So schmeckt die WeltBesondere Frauen, besondere RezepteEchomedia-Buchverlag 2016128 Seiten, 24,90 Euro
    foto: aöf

    So schmeckt die Welt
    Besondere Frauen, besondere Rezepte
    Echomedia-Buchverlag 2016
    128 Seiten, 24,90 Euro

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