Aus für Anonymität: App findet Nutzer per Foto in Social Media

18. Mai 2016, 11:23
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Die Anwendung "FindFace" wird in Russland immer populärer, arbeitet mit Zuverlässigkeit von 70 Prozent

Man könnte die Möglichkeiten, die "FindFace" bietet, durchaus romantisch finden: Gefällt einem jemand in der U-Bahn, macht man ein Foto und lässt die App das Bild mit Aufnahmen in sozialen Medien vergleichen. Dann erhält man den Nutzernamen und kann der begehrten Person später eine unaufdringliche Nachricht schicken, anstatt sie direkt anzusprechen. Doch wer die Natur des Menschen kennt, weiß, dass eine solche Anwendung wohl zu allerlei Missbrauchsmöglichkeiten anstiftet. Die Anonymität in der Öffentlichkeit wäre de facto dahin. Wer etwa einmal betrunken fort ist, kann sofort identifiziert, fotografiert und markiert werden. Außerdem werden Cybermobbing und Stalking Tür und Tor geöffnet.

Milliarden Fotos binnen Sekunden durchwühlt

Deshalb sorgen sich Datenschützer ob des Erfolges von FindFace. In Russland wurden bereits drei Millionen Abfragen über die App durchgeführt, die 500.000 Menschen benutzen. Entwickelt wurde die Anwendung von zwei russischen Programmierern. Der 26-jährige Artem Kukharenko hat den Algorithmus geschrieben, der FindFace den Bilderabgleich mit dem russischen Netzwerk VKontakte durchführen lässt. Alexander Kabakov ist hingegen für Marketing und Investments zuständig. Er behauptet, dass FindFace eine Datenbank von einer Milliarde Fotos in weniger als einer Sekunde durchwühlen kann.

Trefferquote von 70 Prozent

Die App liefert Nutzern den "wahrscheinlichsten Treffer" sowie zehn Profile, deren Fotos ähnlich sind. Was Kabakov über aus seiner Sicht "datenschutzkonforme" Anwendungen sagt, dürfte die Kritiker der App nicht beruhigen. Laut Guardian meint er, dass Nutzer statt des heimlichen Abfotografierens auf der Straße ja auch Fotos von "Stars" oder "Ex-Partnern" hochladen und ähnliche Profile entdecken könnten. Die Trefferquote soll bei rund 70 Prozent liegen.

Besser als Geheimdienstprogramme?

Die zwei Betreiber der App behaupten, dass ihre Technologie besser als gängige Gesichtserkennungsprogramme von Sicherheitsbehörden funktioniere. Deshalb hoffen sie, den Code dafür relativ bald an staatliche Stellen verkaufen zu können. Die Auswirkungen wären laut Guardian "verheerend". So könnten dann etwa bei Demonstrationen alle Teilnehmer ihren digitalen Profilen zugeordnet werden. Laut Kabakov arbeiten einige russische Polizeistellen schon jetzt mit "FindFace" und konnten dadurch Fälle lösen, die seit Jahren auf Fortschritt gewartet haben. Die App war außerdem benutzt worden, um Amateurpornodarsteller zu outen.

Negative Implikationen wollen die zwei Entwickler nicht anerkennen: "In der modernen Welt stehen Personen im Scheinwerferlicht der Technologie – damit muss jeder leben." (red, 18.5.2016)

  • Jeder mit einem Social Media-Konto könnte demnächst in der Öffentlichkeit identifiziert werden
    foto: reuters/melville

    Jeder mit einem Social Media-Konto könnte demnächst in der Öffentlichkeit identifiziert werden

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