Deutsche Milchbauern wollen 30 Cent pro Liter nichtproduzierter Milch

18. Mai 2016, 11:01
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Milchproduktion soll angesichts niedriger Preise gesenkt werden

Dortmund – Angesichts dramatisch niedriger Milchpreise fordert der Bund Deutscher Milchviehhalter 30 Cent Entschädigung für jeden nichtproduzierten Liter Milch. "Hochgerechnet würde das für ein Jahr europaweit 1,3 Milliarden Euro kosten", sagte Verbandspräsident Romuald Schaber den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" vom Mittwoch.

Das Geld dafür sei da, da die Bauern diese Summe zu Zeiten der Milchquote selbst an die EU gezahlt hätten – als sogenannte Superabgabe bei Überschreitung der Quote.

Schaber forderte Hilfe des Staats bei der Begrenzung der Milchproduktion. "Die Branche allein kann es nicht", betonte er. Nötig sei eine "flächendeckende Lösung".

Das vom Bund versprochene Hilfsprogramm bezeichnete der Verbandspräsident dagegen als "Tropfen auf den heißen Stein". Höhere Zuschüsse zur Berufsgenossenschaft seien gerechtfertigt, weil die Betriebe mit Vieh in den vergangenen Jahren "deutlich benachteiligt" worden seien. Die anderen Maßnahmen seien "reine Kosmetik".

"Beihilfen verpufft"

Direkte Beihilfen habe es in den vergangenen Monaten bereits gegeben. "Aber die sind verpufft", betonte der Verbandspräsident. Maximal seien 5.000 Euro zusammengekommen. Wenn die Verluste 50.000 Euro oder mehr betragen, sei das "viel zu wenig", sagte Schaber.

Die Milchkrise spitzt sich derzeit immer mehr zu. Schaber zufolge erhalten einige Bauern im Norden Deutschlands von Molkereien nur noch 17 Cent pro Liter Milch. In Bayern seien es immerhin noch 29 Cent. Die Produktionskosten lägen im Schnitt aber bei 45 Cent pro Liter. "Bei den aktuellen Preisen legen unsere Milchbauern jeden Tag drauf", betonte er. Die Situation sei "unhaltbar geworden".

In Deutschland und in ganz Europa wird mehr Milch produziert als nachgefragt. Das drückt die Preise auf ein Niveau, das viele Produzenten als ruinös bezeichnen. Gründe für den Verfall sind das Auslaufen der Milchquote in der EU vor gut einem Jahr, das Embargo Russlands und eine schwächere Nachfrage aus China. (APA, 18.5.2016)

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