Inflation so niedrig wie seit sieben Jahren nicht

18. Mai 2016, 10:12
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Wegen billigen Sprits stiegen die Verbraucherpreise im April gegenüber dem Vorjahresmonat nur um 0,5 Prozent

Wien – Die Verbraucherpreise sind im April nur leicht gestiegen. Der Verbraucherpreisindex (VPI) erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresmonat im Durchschnitt um 0,5 Prozent (März: plus 0,7 Prozent), wie die Statistik Austria am Mittwoch bekanntgab. Das war den Angaben zufolge der niedrigste Wert seit Oktober 2009 (plus 0,2 Prozent). Im Vergleich zum Vormonat März blieb die Inflationsrate stabil.

Einzelne Ausgabenposten der Österreicher veränderten sich indes spürbar – allen voran die Wohnungsmieten. Dieser große Brocken im Haushaltsbudget vieler Verbraucher verteuerte sich – über alle Wohnungskategorien gerechnet – im Jahresabstand um 2,7 Prozent. Die Betriebskosten für eine Mietwohnung stiegen im Schnitt um 2,1 Prozent, die Preise für Instandhaltung und Reparatur um 0,9 Prozent.

Angesichts dessen drängt die Arbeiterkammer (AK) einmal mehr auf eine zügige Reformierung des Mietrechts. "Wohnen ist kaum noch leistbar, vor allem für Junge", kritisierte Kammerpräsident Rudi Kaske. Im Zuge der nächsten Mietrechtsreform fordert die AK unter anderem klare Regeln, um die Mieten zu begrenzen, die Abschaffung von Befristungen (außer bei Eigenbedarf des Vermieters) und eine Überwälzung der Maklerprovision von den Mietern auf die Vermieter, wie das seit 1. Juni 2015 in Deutschland üblich ist.

Benzin und Diesel drücken Preise

Ganz anders sieht die Preisentwicklung bei der Haushaltsenergie aus: Sie wurde im Schnitt um 3,3 Prozent billiger. So sanken die Preise für "Heizöl extra leicht" (bei Großabnahme) um 24,2 Prozent. Fernwärme kostete um 0,8 Prozent und Gas um 0,2 Prozent weniger. Strom hingegen verteuerte sich um 1,1 Prozent.

In der gesamten Ausgabengruppe "Wohnung, Wasser, Energie" erhöhten sich die Preise den Angaben der Statistikern zufolge im Schnitt um nur 0,3 Prozent.

Stark preisdämpfend wirkten im April Treibstoffe, die im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13,5 Prozent billiger wurden – Diesel kostete um 14,8 Prozent weniger, Superbenzin um 12 Prozent.

grafik: apa

Überdurchschnittlich zugelegt haben die Preise für Gesundheitspflege (plus 2,7 Prozent), Versicherungsdienstleistungen (plus 1,8 Prozent), aber auch für Nahrungsmittel (plus 0,8 Prozent) und alkoholfreie Getränke (plus 1,2 Prozent). Obst verteuerte sich um 5,7 Prozent, Gemüse um 3 Prozent und Fleisch um 0,7 Prozent. Für Brot und Getreideerzeugnisse waren um 0,8 Prozent mehr zu bezahlen. Billiger wurden dafür Milch, Käse und Eier (minus 1,9 Prozent). Zigaretten kosteten um 2,2 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Der tägliche Einkauf ("Mikrowarenkorb"), der in der vorliegenden Statistik vor allem Nahrungsmittel umfasst, verteuerte sich im Jahresabstand um 1,4 Prozent (März: plus 1,3 Prozent). Der wöchentliche Einkauf ("Miniwarenkorb") hingegen, zu dem neben Lebensmitteln auch Dienstleistungen und Treibstoffe zählen, verbilligte sich um 1,8 Prozent (März: minus 2,2 Prozent).

Gastro wurde teurer

Ein großer Preistreiber waren im April auch Restaurants und Hotels, die sich gegenüber dem Vorjahr im Schnitt um 3,3 Prozent verteuerten. Die Preise für Bewirtungsdienstleistungen legten um 3,4 Prozent zu, jene für Beherbergungsdienstleistungen um 2,3 Prozent. Flugpauschalreisen waren heuer im April um 6,4 Prozent teurer als im Vorjahr. Städteflüge hingegen waren um 10,6 Prozent günstiger zu haben.

Der für Europavergleiche errechnete harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) Österreichs stieg binnen Jahresfrist um 0,6 Prozent. Der Unterschied zum VPI von 0,1 Prozentpunkten beruht laut Statistik Austria auf Gewichtungsunterschieden. Österreich hatte damit die fünfthöchste Inflationsrate in der EU, geht aus den Eurostat-Daten hervor.

Preisverfall in der EU

In der EU ist es im April sogar zu einem Preisverfall gekommen. Die jährliche Inflationsrate lag bei -0,2 Prozent, nach 0,0 Prozent im April 2015. Im Vormonat März betrug sie 0,0 Prozent. In der Eurozone machte die Teuerung im April 2016 ebenfalls -0,2 Prozent aus.

Die höchsten jährlichen Teuerungsraten gab es in Belgien (1,5 Prozent), Schweden (1,0 Prozent) sowie Malta und Litauen (je 0,8 Prozent). Die niedrigsten Raten wurden in Rumänien (-2,6 Prozent), Bulgarien (-2,5 Prozent) und Zypern (-2,1 Prozent) gemessen. Insgesamt hatten im April 17 EU-Mitgliedsstaaten negative jährliche Inflationsraten.

Restaurant- und Cafebesuche, Mieten sowie Tabak wirkten sich auch über den gesamten Euroraum gesehen preistreibend aus. Stark dämpfende Effekte hatte analog zur Entwicklung in Österreich der Posten Energie, der sich im April im Schnitt um 8,7 Prozent verbilligte. (APA, 18.5.2016)

  • Die kaum wahrnehmbaren Preissteigerungen sind vor allem auf den niedrigen Ölpreis zurückzuführen.
    foto: maurizio gambarini/dpa

    Die kaum wahrnehmbaren Preissteigerungen sind vor allem auf den niedrigen Ölpreis zurückzuführen.

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