Und hinter ihnen die Favelas

18. Mai 2016, 10:02
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Als Lohaynny und Luana Vicente Kleinkinder waren, wurde ihr Vater, ein Drogendealer, in einer Schießerei in Rio getötet. Heute sind die Schwestern erfolgreich im Badminton. Lohaynny spielt im August sogar bei Olympia

Rio de Janeiro – Es ist eine dieser Geschichten, wie sie Hollywood gerne erfindet. Die Geschichte der beiden Schwestern Lohaynny (20) und Luana Vicente (22) klingt ein bisschen kitschig, aber manchmal ist das Leben eben kitschiger als der Film.

Luana und Lohaynny Vicente aus Rio de Janeiro sind aufstrebende Badminton-Spielerinnen. Lohaynny hat sich sogar für die Olympischen Spiele in ihrer Heimatstadt qualifiziert. Brasilien feiert seine sportlichen Erfolge eher im Fußball, im Volleyball oder im Beachvolleyball. Aber Badminton? Zum ersten Mal überhaupt ist Brasilien bei den einschlägigen Olympia-Wettkämpfen vertreten. Und Lohaynny Vicente wurde als erste Frau ausgewählt.

In der Weltrangliste ist die 20-Jährige als 71. Brasiliens Beste. Im Doppel belegen die Schwestern Platz 40. 2015 gewann das Duo bei den panamerikanischen Spielen in Toronto Silber. Luana, die die Olympia-Quali verpasst hat, sagt: "Jeder kann so weit kommen, wie er möchte. Man muss es nur wollen. Ich wollte es und habe sehr hart dafür gearbeitet."

Mädchen versteckten sich mit drogendealendem Vater

Dass die Vicente-Schwestern einmal erfolgreiche Sportlerinnen werden würden, hat sich ganz und gar nicht von Beginn an abgezeichnet. Ihr Vater war Drogendealer. Als Kleinkinder zogen die Mädchen häufig mit ihm herum, wenn er sich in Rios berüchtigten Favelas vor der Polizei oder vor konkurrierenden Drogenbanden versteckte.

Vor 16 Jahren, als die Mädchen vier und sechs Jahre alt waren, kam ihr Vater in einer Schießerei mit der Polizei im Westen Rios ums Leben. Wenig später übersiedelte die Mutter mit ihren Töchtern nach Chacrinha, in eine Favela im Norden der brasilianischen Metropole.

Badminton war keine gängige Freizeitbeschäftigung in Favelas. Bis ein Trainer ein Programm installierte und den Sport Kindern aus den Armenvierteln näher brachte. Zunächst machte Luana mit, dann auch Lohaynny. Und beide machten sich gut.

Gehalt, Sponsoren und Studium

Die Vicente-Schwestern leben mittlerweile in einem vom brasilianischen Badminton-Verband finanzierten Haus in der Stadt Campinas, nahe São Paulo. Sie bekommen ein Gehalt vom Verband und haben sogar Sponsoren. Den ganzen Tag wird trainiert, dann studiert. Gelegentlich fahren sie nach Rio zu ihrer Mutter, die nun in einem Haus in einem Mittelklasseviertel wohnt. Nicht weit von der Favela, wo die Badminton-Karriere ihrer Töchter begann.

foto: reuters/nacho doce
Lohaynny (links) und Luana Vicente stehen vor den Olympischen Ringen im Madureira Park in Rio de Janeiro. Lohaynny hat sich für die Spiele qualifiziert.

Als Lohaynny kürzlich vor den olympischen Ringen in einem Park in Rio posierte, sagte sie: "Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass ich qualifiziert bin. Es wird mir erst bewusst werden, wenn ich mit den anderen Sportlern bei Olympia sein werde, wenn ich spielen werde."

Für Lohaynny Vicente ist Dabeisein alles. Die Medaillen sind außer Reichweite. Aber ihre Geschichte hat Hollywood-Potenzial. (Reuters, rie, 18.5.2016)

  • Nur für ein Foto posieren Lohaynny (links) und Luana Vicente in Chacrinha, einer Favela im Norden Rio de Janeiros. Nachdem ihr Vater ums Leben gekommen war, begann ebenda die Badminton-Karriere der Schwestern. Im Vorjahr holten die beiden Silber bei den Panamerika-Spielen.
    foto: reuters/doce

    Nur für ein Foto posieren Lohaynny (links) und Luana Vicente in Chacrinha, einer Favela im Norden Rio de Janeiros. Nachdem ihr Vater ums Leben gekommen war, begann ebenda die Badminton-Karriere der Schwestern. Im Vorjahr holten die beiden Silber bei den Panamerika-Spielen.

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