Inntöne: Expressive Gelassenheit

17. Mai 2016, 17:58
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Al Foster und das Harry-Pepl-Projekt

Diersbach – Schlagwerker als Bandleader – das gab es natürlich in der Historie: Die Jazz Messengers lebten einst von Charisma und Qualität eines Art Blakey. Es ist jedoch nicht zwangsläufig ein substanzvolles Vergnügen, so Instrumentalisten, die gemeinhin aus dem Hintergrund heraus Impulse verleihen, an die Rampe treten. Bei den Inntönen nun aber ein positives Exempel uneitler, produktiver Bandleaderschaft – also das Al Foster Quartet.

Der US-Drummer, den Trompetengrantler Miles Davis in den 1970ern in seine Band holte, kann auf Kooperationen mit so unterschiedlichen Könnern wie Bebop-Exzentriker Thelonious Monk und Stilchamäleon Herbie Hancock verweisen. Ein Hit des Letzteren, Cantelope Island, war bei den Inntönen denn auch ein Beleg für Fosters Potenzial – gerade dadurch, dass er sich nicht auf die Leaderrolle, vielmehr auf den zum Stück passenden Ausdruck konzentrierte.

Intensives Zuhören

Diese rührt von einer abgeklärten Haltung her, die mit intensivem Zuhören zu tun hat und mit dem Öffnen von Räume, die Kollegen improvisierend besetzen. Dayna Stephens am Saxofon war ein gediegener Instrumentalsänger aus dem Geiste der harmonisch anspruchsvoll angelegten spontanen Linien. Ebenso wirkte Pianist Adam Brinbaum souverän, wenn es darum ging, thematisches Material zu extrapolieren. Eine so entspannte wie konzentrierte Angelegenheit, der weitaus Expressiveres und Freitonaleres vorausgegangen war.

Das Quintett wies eine Besonderheit auf: Neben Saxofonist Clemens Salesny, der exzellenten Vokalistin Agnes Heginger, Gitarrist Martin Bayer und Schlagzeuger Peter Primus Frosch war da auch Harry Pepl. Der verstorbene Großmeister der impulsiven Improvisation war – vom Band aus – quasi dabei. Und dies als Multiinstrumentalist, dessen im Heimstudio eingespielte Ideen als Fundament einer hochenergetischen Mixtur waren.

Eine impulsive Hommage an einen Großen des europäischen Jazz. Wobei besonders Salesny zeigte, wie Virtuosität und Expressivität zu vereinen waren. Und wie viel Substanzvolles Pepl zu Lebzeiten der Öffentlichkeit leider vorenthalten hat. (Ljubisa Tosic, 17.5.2016)

  • So entspannt wie dynamisch:  Al Foster bei den Inntönen.
    foto: epa/j.f.moreno

    So entspannt wie dynamisch: Al Foster bei den Inntönen.

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