Glyphosat hat es trotz UN-Persilscheins schwer

17. Mai 2016, 17:44
326 Postings

Streit in Deutschland könnte Unkrautvernichter zum Verhängnis werden – Österreich für Auflagen

Wien – Brisanter könnte das Timing kaum sein: Bevor an diesem Donnerstag die EU eine Entscheidung über die Verlängerung des Herbizids Glyphosat fällen könnte, hat die Uno am Montag eine Untersuchung über die Gefährlichkeit des Wirkstoffs veröffentlicht. Es sei unwahrscheinlich, dass Glyphosat bei der Nahrungsaufnahme für Menschen ein Krebsrisiko darstelle oder Erbgut-Veränderungen auslöse, stellten die Experten der zur Uno zählenden Welternährungsorganisation (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fest.

Prompt kritisierten Umweltorganisationen Inhalt und Zeitpunkt der nun präsentierten Ergebnisse. Allerdings scheint unklar, ob die Untersuchung das Pestizid retten kann, gibt es doch auch innerhalb der EU-Staaten große Kritik. Frankreich und die Niederlande zählen zu den Gegnern des Spritzmittels, das unter anderem vom Agrarindustriekonzern Monsanto erzeugt wird. Entscheidend könnte die Rolle Deutschlands sein, das in der Frage heillos zerstritten ist. Während das CSU-geführte Landwirtschaftsressort für die Genehmigung ist, sind die SPD-Ministerien dagegen. Dass Angela Merkel ihre Richtlinienkompetenz als Kanzlerin wahrnimmt, wird bezweifelt. Ohne geeinte Position müsste sich Berlin enthalten, was bei der vermutlich knappen Abstimmung einer Gegenstimme gleichkäme.

Vorerst muss ohnehin der neue Vorschlag der EU-Kommission abgewartet werden. Dass Brüssel Glyphosat befürwortet, ist ein offenes Geheimnis. Es geht im Wesentlichen um die Frage, wie lange die Bewilligung Bestand haben soll. In einem kursierenden Entwurf ist von neun Jahren die Rede. Das EU-Parlament hat sich für eine siebenjährige Zulassung ausgesprochen. Angesichts der aufgewühlten Stimmung um den Wirkstoff wäre es laut Insidern keine Überraschung, wenn die Abstimmung vertagt wird. Etwas Zeit hat der für Gesundheit und Nahrungsmittelsicherheit zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis noch: Die Genehmigung für Glyphosat läuft Ende Juni aus.

Rupprechter delegiert

Österreichs Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) will sich in die Entscheidung des Expertenausschusses der Mitgliedstaaten nicht einmischen. Vertreten wird das Land darin durch die Agentur für Ernährungssicherheit (Ages). Für sie stellt die Uno-Untersuchung lediglich eine Bestätigung der bisherigen Erkenntnisse dar, wie ein Sprecher erläutert. Dennoch setzt sich die Einrichtung für eine Limitierung des Unkrautvernichters ein. Betroffen wäre demnach der Gebrauch in Haus- und Kleingärten sowie in der Landwirtschaft kurz vor der Ernte und zur Beschleunigung der Abreife durch Abtötung der Pflanzen (Sikkation). Aus Gründen der Rechtssicherheit ist aus Sicht der Ages von Bedeutung, dass diese Limitierungen auch im EU-Regelwerk stehen. Einzelstaatliche Vorstöße könnten ansonsten von den Anbietern der Pflanzenschutzmittel bekämpft werden.

In Österreich wäre auch ein Verbot von Glyphosat für die Landwirtschaft verkraftbar, so Insider. Einer der größten Anwender ist die ÖBB, die damit den Grünwuchs rund um die Gleise bekämpft. (as, 17.5.2016)

Share if you care.