Pro & Kontra: Virtuell Sex haben

13. September 2016, 16:18
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Selbsttäuschung versus durchgeschmorte Sicherungen

foto: imago/stark

Pro
von Ronald Pohl

Um wirklich guten virtuellen Sex zu haben, muss man nicht unbedingt digital werden. Mitunter reicht es schon aus, sich den neuen Playboy zu kaufen. Seit die dort abgebildeten Damen hinauf bis zu den Ohrläppchen in warmer, formschöner Kleidung stecken, ist die Vorstellung, einer von ihnen nackend im Mondschein zu begegnen, eine Selbsttäuschung virtuellen Ausmaßes.

Virtueller Sex lebt von der Möglichkeit, sich das Gegenüber nach Maßgabe der Anonymität zurechtzuzimmern. Man darf brunftig sein und muss sich dennoch keine Blöße geben. Man kann den Hängebusen, den halbzähen Knorpel bequem hinterm Keyboard verstecken. Man spürt, wie die Filzläuse in den Gefilden der Scham herumturnen, und kann sich vor der Welt dennoch als Inhaber eines gut rasierten Genitalbezirks aufspielen. Kurz: Man bekommt einen Bären aufgebunden und wird doch von keiner Bürste gekratzt. Risiken und Nebenwirkungen liegen auf – und vor allem in der – Hand. Letztlich bleibt die gute, alte Selbstbefleckung ein sozial reichlich unverbindliches Spiel.

Kontra
von Christoph Winder

Virtueller Sex? Aber sicher! Das Einzige, was es zu beachten gilt: So wie sich ein Gipsverband nicht gegen Magenschmerzen eignet, benötigt auch virtueller Sex eine enge Indikationsstellung. Wichtigste Anwendungsfälle sind unüberwindliche Abscheu gegen Biosex, Vorspielmüdigkeit, Besudelungsängste, Phobien vor spritzenden Tätigkeiten und neurotische Aversion gegen das Bespritzwerden.

Der beste virtuelle Sex ist Sex im Ganzkörperanzug. Die Probandin / der Proband wird mit einem Digitalpenis, einer Windows-Vista-Vagina, einem Dutzend elektronischer Zungen und 256 schleimabsondernden Sensoren eingekleidet und mit scharfem Hintergrundgehechel zur maximalen Gamsigkeitsstufe emporstimuliert. Nicht einmal Sex mit einem Riesenoktopus ist geiler. Natürlich können Sie sich beim Akt simultan per Internet mit einem Sexpartner austauschen. Achten Sie darauf, dass sich die vermeintliche Strapsmaus (25) aus Thailand nicht als übel gelaunter Soziopath (75) aus der Bronx entpuppt. Sonst könnten leicht ein paar Sicherungen im Sexanzug durchschmoren. (RONDO Digital, 13.9.2016)

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