Ein Felix im Maturatext

Kommentar der anderen18. Mai 2016, 13:52
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Das Bifie zeigte auch heuer wieder politische Ignoranz

Bekanntlich hat sich das Bifie, das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung, schon in jüngster Vergangenheit durch mangelnde politische Sensibilität ausgezeichnet. Auch bei der diesjährigen Reifeprüfung ist ihm dies wieder gelungen – zwar lediglich in einem Fach, in dem politische Bildung nur periphere Bedeutung hat, in dem aber Peinlichkeiten dieser Art dennoch auffallen.

So findet sich bei den Angaben für die schriftliche Matura aus dem Fach Französisch, konkret im Teil "Sprache im Kontext", ein Jubeltext über Felix Baumgartner, in dem er als "einer der wichtigsten Männer des Jahres 2012" bezeichnet wird.

Nun mag es eine Frage der Definition sein, wie wichtig ein Sprung aus der Stratosphäre einzuschätzen ist, gerade auch weil er damit ja angeblich weniger der wissenschaftlichen Erkenntnis als vielmehr einer Getränkewerbung gedient hat. Bedeutender – im negativen Sinne – ist Baumgartner aber wohl durch die Forderung einer "gemäßigten Diktatur", die er in einem Interview ausgesprochen hat.

Davon ist freilich im Text der Matura, der ihn geradezu als Helden stilisiert, keine Rede.

Die politische Ignoranz, die das Bifie damit neuerlich beweist, ist umso peinlicher, als das Unterrichtsministerium gerade versucht, politische Bildung in den Schulen zu stärken.

"Die ganze Welt kennt ihn", heißt es am Ende des banalen Textes. "Wisst ihr, wer gemeint ist? Es ist natürlich Felix Baumgartner!" Und Österreich, das – gerade im Zusammenhang mit den jüngsten politischen Ereignissen – kaum über seinen eigenen Tellerrand hinausschaut, kann sich durch Baumgartners Heldentat wieder groß fühlen. (Thomas Hellmuth, 18.5.2016)

Thomas Hellmuth ist Professor an der Uni Wien am Institut für Geschichte, Zentrum für LehrerInnenbildung.

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