Regulator plant Spielwiese für Stromfirmen

18. Mai 2016, 09:00
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Tarifvielfalt wie beim Telefonieren: Das könnte sich mit digitalen Zählern bei Strom wiederholen, auf Kosten der Übersichtlichkeit. Das will der Regulator verhindern

Wien – Ein spezielles Angebot, wenn man den Geschirrspüler oder die Waschmaschine mitten in der Nacht einschaltet, ein anderes, teureres, wenn man Strom zu jeder Zeit unbeschränkt aus der Steckdose saugt; ein drittes, viertes oder vielleicht fünftes, wo es möglicherweise sogar Gutschriften gibt, wenn man zu bestimmten Zeiten möglichst viel Strom konsumiert oder bei anderer Gelegenheit ganz auf Strom verzichtet.

Solche oder ähnliche Angebote könnten österreichischen Haushalten schon bald ins Haus flattern. Möglich macht diese Tarifvielfalt eine neue Generation von Stromzählern, die auch als Smart Meter bezeichnet wird. Diese intelligenten Stromzähler, von denen in Österreich bereits 450.000 Stück verbaut sind und die Schritt für Schritt die alten, mechanisch betriebenen ganz ersetzen sollen, ermöglichen eine sekundengenaue Aufzeichnung der Stromverbräuche. Sie öffnen damit die Tür für individuell abgestimmte Produkte und Tarife.

In der Regulierungsbehörde E-Control, die seit 25. April von Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer geleitet wird, sieht man den Point of no Return überschritten. Trotz anfänglicher Bedenken und Bremsmanöver einzelner Energieversorger sei die Branche nun gewillt, die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen.

Neuer Chefjurist

Auch wenn der Fahrplan von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, der eine flächendeckende Installierung digitaler Zähler bis 2019 vorsieht, angesichts der fortgeschrittenen Zeit wahrscheinlich verfehlt wird – "wichtig ist, dass es jetzt den erklärten Willen aller gibt, das umzusetzen", sagte der langjährige Chefjurist der E-Control.

Zum Nachfolger von Urbantschitsch als Leiter der Rechtsabteilung wurde Markus Helmreich bestellt. Der 40-Jährige ist seit 2008 im Energiebereich tätig. Von 2011 bis 2013 war er Leiter der Stabsstelle Rechtsmittelverfahren der E-Control. Zuletzt war Helmreich stellvertretender Abteilungsleiter der Rechtsabteilung.

Urbantschitsch hat von Walter Boltz, der mit Martin Graf die E-Control zuletzt geleitet hat, den Posten in der europäischen Regulierungsbehörde ACER übernommen. Welche genauen Aufgaben er und welche der frühere Energiebeauftragte der Stadt Wien, Eigenbauer, in der E-Control übernehmen wird, sei noch zu entscheiden. Derzeit mache man alles gemeinsam. Urbantschitsch will jedenfalls das seine dazu beitragen, dass sich die Konsumenten im Tarifdschungel nicht verirren. "Wir werden den Tarifkalkulator dahingehend umbauen, dass wir uns anschauen, was die Kundenpräferenzen sind. Für eine bestimmte Konsumgewohnheit soll dann das jeweils günstigste Angebot dargestellt werden", sagte Urbantschitsch.

Spielwiese für Stromfirmen

Die Stromfirmen sollen eine Spielwiese bekommen. "Innovationen gehen nicht von der Politik aus, auch nicht von uns", sagte Urbantschitsch. "Wir können das durch entsprechende Rahmenbedingungen unterstützen". Vorstellbar seien "Regulierungsferien" für Netzbetreiber. "Ich denke an eine Ortschaft, wo die Netztarife zeitlich begrenzt nicht gelten, wo Stromnetzbetreiber mit anderen innovativen Firmen in Ruhe etwas ausprobieren können", sagte der Energieregulator. (Günther Strobl, 18.5.2016)

  • 450.000 intelligente Stromzähler sind österreichweit bereits installiert, viele weitere sollen folgen.
    foto: standard/fischer

    450.000 intelligente Stromzähler sind österreichweit bereits installiert, viele weitere sollen folgen.

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