Altersgenossen unserer Sonne drehen sich im selben Takt

22. Mai 2016, 13:58
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Astronomenteam beobachtete ähnliche Rotationsperioden bei Sternen in der selben Altersklasse

Potsdam – Die Beobachtung von Vorgängen auf unserer Sonne erlaubt Wissenschaftern auch wertvolle Rückschlüsse auf die Eigenschaften anderer sonnenähnlicher Sterne. Dieses Prinzip lässt sich aber auch umkehren: Internationale Astrophysiker haben nun Rotationsperioden von Sternen innerhalb eines Haufens untersucht und dabei entdeckt, dass Sterne, die etwa so alt wie unsere Sonne sind, auch in einigen weiteren Punkten große Ähnlichkeit zu unserem Heimatstern zeigen. So stellten sie etwa fest, dass die vermessenen Sterne für eine Drehung um sich selbst rund 26 Tage benötigten – die gleiche Zeit, die auch die Sonne für eine Drehung um ihre Achse braucht.

Die Rotationsperioden von Sternen liefern einen wichtigen Schlüssel, um magnetische Phänomene auf anderen Sternen besser zu verstehen. Die Größe der beobachteten Sternenflecken lässt darauf schließen, dass die Magnetfelder der Sonne denen der untersuchten Sterne sehr ähnlich sein müssen.

Altersgenossen der Sonne

Die Forscher vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) und der John Hopkins Universität in Baltimore (JHU) studierten den vier Milliarden Jahre alten offenen Sternenhaufen M67. Dieser ist der einzige bekannte Cluster, der nahezu zeitgleich zu unserer Sonne entstanden ist und damit Sterne in ihrem Alter enthält. Durch seine relative Nähe zur Milchstraße kann er eingehender erforscht werden.

Sterne wie unsere Sonne weisen dunkle Flecken auf, die durch Magnetfelder verursacht werden. Die Flecken sind bei jüngeren Sternen relativ groß und werden mit zunehmendem Alter eines Sterns kleiner. Aufgrund der Rotation der Sterne wandern diese Flecken scheinbar über ihre Oberfläche und verursachen dadurch Helligkeitsschwankungen. Diese sind bei sonnenähnlichen Sternen aufgrund ihres relativ hohen Alters vergleichsweise klein und betragen weniger als ein Prozent.

Dem AIP-Team gelang nun erstmals die Messung dieser sehr kleinen periodischen Variationen bei 20 sonnenähnlichen Sternen. Die beobachteten Ähnlichkeiten lassen darauf schließen, dass sich die Rotationsperiode unserer Sonne im erwarteten Normalbereich bewegt. Die Erkenntnisse waren nur aufgrund der exzellenten Sensibilität des Kepler Weltraumteleskops, das nun im Rahmen der K2-Mission unterwegs ist, möglich.

Sydney Barnes, Erstautor der Studie, erklärt: "Auch wenn wir diese Erkenntnisse bereits vorausgesagt hatten, ist es ein großer Schritt, sie nun endlich nachweislich messen zu können." Mithilfe dieser Messungen bei Sternen, deren Alter unserer Sonne nahe kommt, können die Forscher die Entwicklungsgeschichte unserer Sonne genauer nachvollziehen. (red, 22.5.2016)

  • Das Falschfarbenbild des offenen Sternhaufens M67 wurde mit drei Filtern Johnson B, V und G für den Blau-, Rot- und Grün-Kanal aufgenommen.
    foto: leibniz-institut für astrophysik potsdam (aip)

    Das Falschfarbenbild des offenen Sternhaufens M67 wurde mit drei Filtern Johnson B, V und G für den Blau-, Rot- und Grün-Kanal aufgenommen.

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