Altes Gold und royale Sammlerleidenschaft

22. Mai 2016, 09:00
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Die Habsburgerkaiser sammelten Münzen. Die wertvollsten Schätze sind nun im Kunsthistorischen Museum Wien zu sehen, wo Numismatiker zu den Edelmetallen forschen

Wien – Auch Hochwohlgeborene brauchen Hobbys, um ihrem Alltag als Herrscher ein wenig Würze zu verleihen. Unverfänglich und dabei völlig ungefährlich ist das Sammeln. Natürlich nur von standesgemäßen Gegenständen. So haben die Habsburger nicht einfach nur schnöden Nippes angehäuft, sondern eine wahre Leidenschaft für Münzen entwickelt.

Zu den enthusiastischsten Münzsammlern gehörte Kaiser Karl VI. (er regierte von 1711 bis 1740). Auf Reisen führte er eine sogenannte Numothek mit, also ein Münzalbum, um seine Schätze bei Gelegenheit vorzuführen. Als Träger für das gewichtige Buch, den noch heute erhaltenen Codex aureus, war ein eigener Lakai engagiert, mit dabei war außerdem Carl Gustav Heraeus, der Medailleninspektor des Kaisers, um neue Exemplare ausfindig zu machen. Zu sehen ist das auf einem Deckengemälde im Kunsthistorischen Museum in Wien – dort befindet sich auch heute noch die kaiserliche Sammlung, aus der das Wiener Münzkabinett hervorging.

Anlässlich der 125-Jahr-Feier des Kunsthistorischen Museums werden ab kommender Woche unter dem Titel Das Gold des Kaisers die bedeutendsten Goldstücke des Münzkabinetts in einer Sonderausstellung gezeigt. "Darunter sind Zirkulationsmünzen, die seit der Antike im alltäglichen Umlauf waren, bis hin zu riesigen Golddukaten", schildert Michael Alram, Direktor des Münzkabinetts und Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften.

Protzige Prunkmedaillen

Zu den Highlights gehören protzige Prunkmedaillen, die in Einzelanfertigung für diverse Würdenträger gefertigt wurden, genauso wie filigrane Münzen mit feinziselierten Prägungen, die nicht nur Köpfe, sondern detaillierte Landschaften oder Kriegsszenerien darstellen. Herausragend sind zudem gigantische antike Goldmedaillons mit rund zehn Zentimetern Durchmesser und mehr als 400 Gramm Gewicht sowie nicht minder gewichtige Golddukaten aus dem Mittelalter.

Die Wiener Sammlung galt bereits um 1800 als eine der bedeutendsten der Welt – und ist es heute noch. "In Berlin etwa haben die preußischen Regenten in Kriegs- und Notzeiten Goldmünzen eingeschmolzen und in die Staatskasse überführt", sagt Alram. "Hier konnte das verhindert werden."

Was wohl auch mit der Sammelleidenschaft der Habsburger zusammenhängt, die bereits seit dem 16. Jahrhundert nachgewiesen ist. Am begeistertsten waren der schon genannte Karl VI. und Franz Stephan von Lothringen, Maria Theresias Gemahl und Kaiser von 1745 bis 1765. Ersterer spezialisierte sich auf Prunkmedaillen, während Franz Stephan moderne Prägungen aus ganz Europa sammelte – ein Novum, nachdem üblicherweise antike Münzen im Fokus der Sammler standen. Nach dessen Tod wurden 1766 die kaiserlichen Sammlungen zusammengelegt.

"Hier hat auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit Münzen ihren Ursprung", sagt Alram. Als Begründer der Numismatik gilt Joseph Hilarius Eckhel, Kustos der Münzsammlung unter Maria Theresia. In umfassenden Katalogen wurden die Bestände systematisch erfasst und kategorisiert. "Das Eckhel'sche System der Legung und Ordnung wird bis heute weltweit verwendet", betont Alram.

Spektakuläre Schatzfunde

Die Schau präsentiert aber nicht nur die wichtigsten Sammlerpersönlichkeiten samt ihren Schätzen und gibt einen Überblick über die Geschichte der Goldmünzen an sich – sie dokumentiert auch, wie die spektakulärsten Stücke in die Sammlung gelangt sind. "Von der schwersten Münze der römischen Zeit, dem sogenannten 36-fachen Solidus mit mehr als 160 Gramm, sind nur drei Exemplare bekannt. Eines wurde zerstört, die anderen beiden sind hier in Wien", berichtet Kurator Klaus Vondrovec. "Einer dieser Goldgiganten wurde 1763 im heutigen Ungarn in den Strudeln der Donau gefunden und dem Kaiser geschenkt. Der zweite wurde 1797 zusammen mit einem ganzen Schatz von rumänischen Hirten gefunden, die ihren Fund beim damals zuständigen Salzamt abgaben."

Nachdem die Sammellust der Habsburger nach Kaiser Franz Stephan abflaute, wuchs die Sammlung durch ebensolche Schatzfunde auf dem Gebiet der Monarchie. Dabei galt: Ein Drittel gehörte dem Kaiser, ein Drittel dem Grundherrn und ein Drittel dem Finder. Heute ist die Aufteilung in Österreich mit 50:50 zwischen Grundeigentümer und Finder geregelt, Funde müssen aber dem Bundesdenkmalamt gemeldet werden.

Hohe Dunkelziffer

Was nicht immer der Fall sein dürfte. "Es wird geschätzt, dass in Österreich die Dunkelziffer von gefundenen antiken Münzen 20.000 pro Jahr beträgt", sagt Vondrovec. Andere alte Schätze finden aber immer noch ihren Weg in die Münzsammlung. "2013 wurden auf einem Bauernhof in Pyhra im Weinviertel 21 Silbermünzen aus dem 17. Jahrhundert entdeckt und uns in der Folge übergeben", erzählt die Kuratorin Anna Fabiankowitsch. "Das hilft uns bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung des damaligen Geldumlaufs, ist aber auch interessant, um mehr über den Ort und die Konflikte dort zu erfahren. Der Fund könnte ein Hinweis darauf sein, dass bei dem Schwedeneinfall von 1646 auf der Flucht viele Schätze zurückgelassen werden mussten."

Und so steckt hinter jeder Münze eine mehr oder weniger spannende Geschichte, die auszugraben zum Job der Numismatiker gehört. "Münzen sind nicht nur Zahlungsmittel, sondern auch Kommunikationsmittel zur Verbreitung politischer Botschaften", sagt Alram. "Es sind historische Dokumente, die detaillierte Einblicke in wirtschaftliche Verhältnisse, politische Zustände und Machtstrukturen geben können."

Wien ist nach wie vor Zentrum der Münzwissenschaften – mit dem weltweit einzigen Numismatikstudium an der Uni Wien, der Arbeitsgruppe Numismatik am Institut für Kulturgeschichte der Antike an der Akademie der Wissenschaften und eben dem Münzkabinett, wo derzeit rund 600.000 Exemplare jeglicher Qualität und Herkunft hauptsächlich zu Studienzwecken lagern. Wovon ein kleiner, aber umso glanzvollerer Teil nun zu sehen ist. (Karin Krichmayr, 22.5.2016)


Link

"Das Gold des Kaisers", 24. Mai 2016 bis 5. März 2017
im Kunsthistorischen Museum Wien
www.khm.at

  • Franz Stephan I. von Lothringen (1708-1765), hier auf einem Gemälde von Johann Zoffani, war einer der enthusiastischsten Münzsammler unter den Habsburgern.
    foto: khm_museumsverband

    Franz Stephan I. von Lothringen (1708-1765), hier auf einem Gemälde von Johann Zoffani, war einer der enthusiastischsten Münzsammler unter den Habsburgern.

  • Hinter jeder Münze steckt eine Geschichte: "Der Glanz aller Goldschätze dieser Welt schenkt mir keine Freude, ich fürchte, dass dies alles für meinen Christus zum Schaden ist", steht auf dem 100-Dukaten-Stück des siebenbürgischen Fürsten Michael Apafi.
    foto: khm_museumsverband

    Hinter jeder Münze steckt eine Geschichte: "Der Glanz aller Goldschätze dieser Welt schenkt mir keine Freude, ich fürchte, dass dies alles für meinen Christus zum Schaden ist", steht auf dem 100-Dukaten-Stück des siebenbürgischen Fürsten Michael Apafi.

  • Eine 100 Dukaten-Prunkmedaille auf die Zusammenkunft Kaiser Franz I. Stephans mit Landgraf Ludwig VIII.
    foto: khm_museumsverband

    Eine 100 Dukaten-Prunkmedaille auf die Zusammenkunft Kaiser Franz I. Stephans mit Landgraf Ludwig VIII.

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