Erstes kommunales Flüchtlingsquartier in Oberösterreich

17. Mai 2016, 15:23
153 Postings

Gemeinde Meggenhofen betreut 15 Asylwerber in "Eigenregie" mit einem ehrenamtlichen Team rund um Bürgermeister Suchy

Linz – Am Anfang stand ein Angebot: Das alte, leerstehende Gemeindeamt der kleinen Gemeinde Meggenhofen im Bezirk Grieskirchen sollte künftig als Asylunterkunft genutzt werden. Die Prüfung durch die zuständigen Stellen des Landes Oberösterreich fiel positiv aus, und so wandte sich Bürgermeister Wilfried Suchy (SPÖ) an die Caritas und das Rote Kreuz. Zehn Asylwerber hätte man gern in dem Haus im Ortszentrum die Möglichkeit eines Neustarts geboten. Doch sowohl Caritas als auch das Rote Kreuz hätten aus "logistischen und organisatorischen" Gründen abgewunken, erzählt Suchy im Gespräch mit dem STANDARD.

Einstimmiges Votum

Das rote Gemeindeoberhaupt ließ sich aber nicht von der Idee abbringen und ging mit einem bis dato oberösterreichweit einzigartigen Lösungsvorschlag in die nächste Gemeinderatssitzung: Die Gemeinde selbst sollte die Betreuung der Flüchtlinge im Ort übernehmen. Die Abstimmung im Kommunalparlament fiel einstimmig aus: In Meggenhofen leben nun seit gut einem halben Jahr 15 Syrer. Zwei Familien in Wohnungen im alten Gemeindeamt, eine Familie in einer weiteren Wohnung im Ort.

Betreut werden die Flüchtlinge von einem ehrenamtlichen Team rund um Bürgermeister Suchy und dessen Frau. Zusätzlich wurde für zehn Wochenstunden ein Dolmetscher angestellt. "Der Gemeinde entstehen keine Kosten. Sämtliche Aufwendungen werden von der Grundversorgungsstelle des Landes abgedeckt", so Suchy.

Wilde Rasenmäher-Männer

In der Gemeinde werden die Flüchtlinge im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten auch mit kleineren Arbeiten betraut. Suchy: "Sie fahren zum Beispiel wie wild mit dem Rasenmäher durch den Ort." Für gemeinsame Besorgungsfahrten wurde ein Minivan angeschafft. "Der Bus ist mit sieben Sitzen ideal. Da können wir mit allen Bewohnern gemeinsam einkaufen fahren."

Kritiker der Flüchtlingseinrichtung gebe es im Ort nur ganz wenige. Suchy: "Manche schimpfen halt ein bissi am Stammtisch, aber der Großteil ist mit vollem Einsatz dabei." In der breiten Akzeptanz zeige sich auch der große Vorteil eines kommunalen Trägers: "Die Gemeinde wird als Autorität gesehen. Und die Kosten sind transparent, es relativiert sich das ewige Vorurteil, dass sich eine Privatperson auf dem Rücken der Flüchtlinge bereichert."

Putzanleitung

Und selbst die anderswo vieldiskutierte Wertevermittlung funktioniert in Meggenhofen völlig unkompliziert. "Natürlich wollte zu Beginn keiner der Männer das Stiegenhaus wischen. Da hab ich gesagt, selbst bei mir als Bürgermeister ist daheim die Frau die Chefin. Und in Österreich geht man daher in einer Ehe den Weg des geringsten Widerstandes – und putzt eben auch das Vorhaus", lacht Suchy.

Oberösterreichs Integrationslandesrat Rudi Anschober (Grüne) sieht in dem Model nicht nur ein humanitäres, sondern auch ein wirtschaftliches Plus für Gemeinden: "Die Gemeinde hat noch direktere Gestaltungsmöglichkeiten, aber auch die Möglichkeit, noch deutlicher auch wirtschaftlich zu profitieren."

Anschober verweist auf eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung: "Die Bereitstellung von Quartieren wirkt sich wirtschaftsbelebend auf Oberösterreich aus. Einer Investition von 210 Millionen Euro in den Jahren 2015 und 2016 steht ein zusätzliches Bruttoregionalprodukt von 236 Millionen gegenüber, 150 Millionen Euro zusätzliches verfügbares Einkommen sowie ein beachtlicher Zuwachs an Jobs in der Höhe von 3.320 Vollzeitjahresäquivalenten." (Markus Rohrhofer, 17.5.2016)

  • Abdelhadi und seine Schwester Douaa fühlen sich unter der "Obhut" von Bürgermeister Wilfried Suchy sichtlich wohl.
    foto: denise stinglmayr

    Abdelhadi und seine Schwester Douaa fühlen sich unter der "Obhut" von Bürgermeister Wilfried Suchy sichtlich wohl.

Share if you care.