Murray-Warnschuss für den Djoker

16. Mai 2016, 14:37
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Finalpleite in Rom war Djokovics dritte Saisonniederlage eine Woche vor Beginn der French Open – Thiem startet in Nizza Projekt Titelverteidigung

Rom/Paris/Nizza – Für Novak Djokovic ist das Rom-Finale wohl gerade rechtzeitig ein "Schuss vor den Bug" gewesen. Der noch 28-jährige Serbe musste sich am Pfingstsonntag dem Geburtstagskind Andy Murray nach 95 Minuten mit 3:6,3:6 geschlagen geben. Es war eine Woche vor Beginn der French Open in Paris erst die dritte Saison-Niederlage für Djokovic.

"Ich habe eine lange Woche gehabt, die zwei vorangegangenen Tage auf jeden Fall. Und Andy hat diese Woche auf sehr hohem Niveau gespielt", sagte Djokovic und meinte, dass sich der Schotte auf Sand sehr gesteigert hat. "Er hat im Vorjahr Madrid gewonnen, in diesem Jahr Rom, das beweist es."

Djokovic, der im Viertelfinale gegen Rafael Nadal und im Halbfinale gegen Kei Nishikori insgesamt fünfeinhalb Stunden auf dem Platz verbracht hatte, wird dennoch als Topfavorit in die French Open gehen. Dem Serben fehlt der Titel in Roland Garros noch in seiner Major-Sammlung.

Murray, der seinen ersten Matchball fast schon von der Zuschauertribüne aus sensationell verwertet hatte, freute sich über ATP-Titel Nummer 36 und er hatte etwas mit Rom-Siegerin Serena Williams gemeinsam: Auch Murray hat beim letzten Turnier vor den French Open den ersten Saison-Siegerscheck geholt. Es war sein erster Sieg über Djokovic auf Sand und Murray ist wieder Nummer zwei der Welt.

"Ich hätte nie gedacht, auf Sand einmal so gute Resultate zu erreichen", zeigte sich der Brite selbst überrascht. "Vielleicht habe ich zu wenig daran geglaubt." Djokovic habe sicher nicht seinen besten Tag gehabt. "Aber im zweiten Satz musste ich doch ein paar heikle Situationen überstehen."

Thiem als Titelverteidiger nach Nizza

Brenzlige Situationen musste auch Dominic Thiem am 23. Mai 2015 in Nizza meistern, als er mit einem hauchdünnen 6:7(8),7:5,7:6(2)-Erfolg über den Argentinier Leonardo Mayer den ersten Turniersieg in seiner vielversprechenden Karriere verbuchte. Ein Jahr später kehrt der mittlerweile 22-jährige Niederösterreicher zurück: Im Ranking weiter stark verbessert – und topgesetzt.

Als Nummer 42 hat er im Vorjahr das ATP-250-Turnier in Nizza unmittelbar vor den French Open gewonnen, als Nummer 15 und sogar Sechster im aktuellen ATP-Race kehrte Thiem an die Côte d'Azur zurück. Ein Auslassen des Turniers zwecks längerer Vorbereitung in Roland Garros ist im Lager des Top-Ten-Kandidaten kein Thema gewesen. Sein Coach Günter Bresnik hatte schon im März gegenüber der APA erläutert, dass gerade diese spezielle Erfahrung, ein Turnier erstmals überhaupt als Titelverteidiger zu beginnen, wieder ein wichtiger Mosaikstein für Thiem ist.

Mittlerweile ist der Lichtenwörther nicht nur im Ranking geklettert, er hat danach auch noch in Umag, Gstaad sowie in diesem Jahr in Buenos Aires und in Acapulco (erster Hartplatz- und ATP-500-Titel) seine Trophäensammlung auf fünf aufgestockt.

Die Ansprüche Thiems sind seit dem ersten Siegerscheck auf der ATP-Tour gestiegen. Nach dem Sieg über Roger Federer im Rom-Achtelfinale war er nach seinem zweiten Viertelfinale auf ATP-Masters-1000-Niveau gar nicht zufrieden. Vor allem 39 unerzwungene Fehler waren ein Wermutstropfen nach dem 3:6,5:7 gegen Kei Nishikori. "Ich werde in Nizza viel trainieren, damit ich wieder meine Form finde und hoffe, dass ich in Paris wieder gut spiele", versprach Thiem.

Start am Mittwoch

Für das Training hatte er nicht zuletzt dank eines Freiloses auch Zeit. Kurioserweise könnte es bei seinem ersten Einsatz am Mittwoch gleich zur Wiederholung des Vorjahresfinales kommen. Topfavorit Thiem trifft auf den Sieger des Duells Leonardo Mayer (ARG) gegen Jiri Vesely (CZE).

Jedenfalls will sich Thiem bei der French-Open-Generalprobe den letzten Schliff für seinen dritten Auftritt in Roland Garros holen. Nach zwei Zweitrunden-Niederlagen (2014 gegen Rafael Nadal, 2015 gegen Pablo Cuevas) an der Seine strebt Österreichs Tennis-Star, der erstmals bei einem Grand Slam in den Top 16 gesetzt ist, den Einzug in die zweite Turnierwoche an.

Weltrangliste: Thiem im Race verbessert

In der Weltrangliste rangiert Thiem trotz seines Rom-Viertelfinales weiterhin an 15. Stelle, im Race 2016 hat er sich aber um einen Platz verbessert und ist Sechster.

Der Rückstand auf die neue Nummer 10, Richard Gasquet (FRA) beträgt nun exakt 295 Punkte. Rom-Sieger Andy Murray überholte den im Achtelfinale gegen Thiem ausgeschiedenen Roger Federer und liegt nun deutlich vor dem Schweizer.

Bei den Damen löste die Polin Agnieszka Radwanska wieder Australian-Open-Siegerin Angelique Kerber als Nummer zwei hinter Rom-Gewinnerin Serena Williams ab. (APA, 16.5.2016)

Tennis-Weltranglisten vom 16. Mai 2016:

HERREN:

1. ( 1) Novak Djokovic (SRB) 16.150
2. ( 3) Andy Murray (GBR) 8.435
3. ( 2) Roger Federer (SUI) 7.015
4. ( 4) Stan Wawrinka (SUI) 6.110
5. ( 5) Rafael Nadal (ESP) 5.675
6. ( 6) Kei Nishikori (JPN) 4.470
7. ( 7) Jo-Wilfried Tsonga (FRA) 3.355
8. ( 8) Tomas Berdych (CZE) 2.850
9. ( 10) Milos Raonic (CAN) 2.785
10. ( 12) Richard Gasquet (FRA) 2.725
Weiter:
15. ( 15) Dominic Thiem (AUT) 2.430
130. (128) Gerald Melzer (AUT) 452
170. (174) Andreas Haider-Maurer (AUT) 313
256. (252) Bastian Trinker (AUT) 204
258. (256) Jürgen Melzer (AUT) 201
259. (275) Dennis Novak (AUT) 200

ATP-Race (Top 8 für Londoner World Tour Finals qualifiziert/13. bis 20. November): 1. Djokovic 5.950 Punkte – 2. Murray 3.525 – 3. Nadal 2.840 – 4. Nishikori 2.500 – 5. Raonic 2.155 – 6. Thiem 1.720

DAMEN:
1. ( 1) Serena Williams (USA) 9.030
2. ( 3) Agnieszka Radwanska (POL) 5.850
3. ( 2) Angelique Kerber (GER) 5.740
4. ( 4) Garbine Muguruza (ESP) 4.847
5. ( 6) Victoria Asarenka (BLR) 4.530
6. ( 5) Simona Halep (ROM) 4.301
7. ( 7) Roberta Vinci (ITA) 3.505
8. ( 8) Belinda Bencic (SUI) 3.330
9. ( 10) Timea Bacsinszky (SUI) 3.150
10. ( 13) Flavia Pennetta (ITA) 2.963
Weiter:
124. (126) Tamira Paszek (AUT) 505
173. (175) Barbara Haas (AUT) 312
324. (322) Melanie Klaffner (AUT) 123
338. (334) Julia Grabher (AUT) 115

  • Nach einer anstrengenden Woche nicht in bester Verfassung: Novak Djokovic.
    foto: afp/ tiziana fabi

    Nach einer anstrengenden Woche nicht in bester Verfassung: Novak Djokovic.

  • Vor den French Open in Topform: Andy Murray.
    foto: afp/ tiziana fabi

    Vor den French Open in Topform: Andy Murray.

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