Französische Ex-Ministerinnen für Kampf gegen sexuelle Belästigung

16. Mai 2016, 14:23
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Nach Affäre um Vize-Parlamentspräsidenten – Ende der Kultur des Schweigens gefordert

Paris – Nach der jüngsten Affäre um sexuelle Belästigung in der französischen Politik haben 17 frühere Ministerinnen ein Ende der Kultur des Schweigens und der Straflosigkeit in solchen Fällen gefordert.

"Sexistische Bemerkungen, unangebrachte Gesten, unangemessenes Verhalten" sollten in Zukunft "systematisch" verurteilt werden, erklärten die Politikerinnen aus dem gesamten politischen Spektrum in einem in der Zeitung "Journal du Dimanche" veröffentlichten Aufruf.

Verhaltensweisen müssen sich ändern

Zu den Unterzeichnerinnen zählen die heutige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, die ebenfalls konservative Politikerin Nathalie Kosciusko-Morizet, die Sozialistinnen Aurelie Filippetti und Elisabeth Guigou sowie mehrere Grüne. Auch die 89-jährige Ex-Justizministerin Monique Pelletier ist darunter, die kürzlich berichtet hatte, dass sie vor 37 Jahren von einem Senator sexuell belästigt worden sei.

"Wie alle Frauen, die in Bereiche gelangt sind, die früher reine Männerdomänen waren, haben wir unter Sexismus gelitten und dagegen gekämpft", heißt es in dem Appell. "Es ist nicht Aufgabe der Frauen, sich an diese Milieus anzupassen, es sind die Verhaltensweisen bestimmter Männer, die sich ändern müssen." Die Ex-Ministerinnen erklärten weiter: "Es reicht. Es ist vorbei mit der Straflosigkeit. Wir werden nicht länger schweigen."

Anzeige erstatten

Die Unterzeichnerinnen ermutigten alle Opfer sexueller Belästigung und sexueller Angriffe, Anzeige zu erstatten. Zudem forderten sie ihre jeweiligen Parteien auf zu prüfen, inwiefern es solche Vorfälle gegeben hat und gegebenenfalls den Opfern zu helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Die Verjährungszeit in Fällen von sexueller Belästigung müsse verlängert werden.

Frauenrechtsministerin Laurence Rossignol begrüßte den Schritt der Ex-Ministerinnen. Männer sollten "uns Frauen rein im professionellen Sinne sehen – als die Chefinnen oder Kolleginnen, die wir sind. Hört auf, uns die ganze Zeit als mögliches Freiwild anzusehen!" sagte sie im Sender France 3. Ministerpräsident Manuel Valls versicherte den Unterzeichnerinnen im Kurzmitteilungsdienst Twitter seine Unterstützung.

Rücktritt nach Vorwurf

Andere Kommentatoren waren weniger einsichtig: Die frühere Wohnungsbauministerin Cecile Duflot veröffentlichte einige sexistische Reaktionen, die sie nach der Veröffentlichung des Aufrufs erhalten hatte. "Duflot belästigt? Der Typ muss besoffen gewesen sein", hieß es darin oder "Abgesehen von (der früheren Sportministerin Chantal) Jouanno – wer würde diese Frauen belästigen wollen, haha?"

Vergangene Woche war der Vizepräsident der französischen Nationalversammlung zurückgetreten, der Grünen-Politiker Denis Baupin. Zuvor hatten ihm acht Frauen, darunter vier Abgeordnete, vorgeworfen, sie sexuell angegriffen oder mit anzüglichen SMS bombardiert zu haben.

Daraufhin geriet auch Finanzminister Michel Sapin in Bedrängnis, weil er eine Journalistin unsittlich berührt haben soll. Der Sozialist räumte zwar "unangebrachtes" Verhalten ein und äußerte sein Bedauern, bestritt im Detail aber die zuvor von Journalistinnen verbreitete Version des Vorfalls. In einem kürzlich erschienenen Buch heißt es, der heute 64-Jährige habe gegenüber einer Reporterin Anfang 2015 eine anzügliche Bemerkung gemacht und das Gummibündchen ihres Slips "schnalzen lassen".

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