Ukrainischer Hacker: Eigener Spitzel soll FBI ausgetrickst haben

27. Mai 2016, 10:35
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Zuerst war Maksym Popov Cybergangster, dann Spitzel für das FBI, dann erpresste er die US-Behörde

Das FBI hat einen Geist gerufen, den es nicht mehr los wurde: Ein neuer Bericht des US-Technikmagazins "Wired" enthüllt, dass die US-Bundespolizei von einer ehemaligen Quelle erpresst worden war. Dabei handelt es sich um den jungen Ukrainer Maksym Popov, der nach seiner Kooperation mit der US-Bundespolizei Zugriff auf zahlreiche vertrauliche E-Mails von Agenten erlangen konnte.

Schlecht behandelt

Ganz unschuldig daran ist das FBI nicht, denn es hatte Popov einst selbst ausgetrickst. Er war im Jahr 2000 als 20-Jähriger Hacker in die US-Botschaft marschiert und hatte sich gestellt, um künftig unter der Ägide der US-Behörden Informationen über seine ehemaligen kriminellen Kollegen zu sammeln. Doch statt einem angenehmen Leben in den USA wartete dort auf Popov die Isolationshaft. Ihm wurde der Prozess gemacht, eine langjährige Haftstrafe drohte.

Sicherheitslücken gesucht

Erst nach einigen Monaten schlug ein FBI-Agent namens Ernest Hilbert vor, Popov besser zu behandeln. Er schuf einen geschützten Arbeitsplatz, den der Häftling täglich benutzen durfte, um osteuropäische Hackerforen zu durchwühlen. Die Zusammenarbeit war erfolgreich: Zigtausende gestohlene Kreditkartendaten konnten gesichert und Sicherheitslücken identifiziert werden. Doch bald sollte Popov seinen Agenten selbst hinters Licht führen.

Hinters Licht geführt

Im April 2003 durfte Popov in die Ukraine reisen, um Verwandte zu besuchen. Dabei war wohl allen Beteiligten klar, dass der Hacker trotz anderslautender Auflagen nicht mehr in die USA zurückkehren würde. Popov gab anschließend vor, ein gesetzeskonformes IT-Security-Unternehmen gegründet zu haben. Im Zuge dieser Tätigkeit informierte er seinen ehemaligen Arbeitgeber darüber, dass feindliche Hacker Zutritt zu geschützten FBI-Servern erlangt hatten. Dort waren vertrauliche E-Mails mit Klarnamen von Quellen gelagert, die abgesaugt werden konnten.

Verfahren laufen

Auch die Telekomfirma EMC soll laut einem Tipp von Popov gehackt worden sein. Sein ehemaliger FBI-Kontakt Hilbert arrangierte Meetings zwischen Popov und den Betroffenen. Doch tatsächlich steckte Popov selbst hinter dem Hack, wie er nun in einem Interview mit Wired zugab. "Wir haben es getan", so Popov, "Hilbert hat vielleicht etwas vermutet, aber es war nicht eindeutig." Gegen den FBI-Agenten Hilbert laufen nun Untersuchungen. Der Fall sorgt nun für einige Aufregung, da nicht zum ersten Mal Quellen des FBI sich gegen die US-Bundespolizei wenden. ´

Nicht der erste Fall

So hatte schon ein Informant namens "Alberto Gonzalez" vorgegeben, mit dem FBI zu kooperieren, während er tatsächlich mit russischen Hackern zusammenarbeitete und 160 Millionen Kreditkartendaten absaugte. Er fasste dafür zwanzig Jahre im Gefängnis aus. "Manche Geheimoperationen enden mit Verhaftungen und Preisverleihungen, andere in peinlich berührtem Schweigen", so Wired abschließend. Das einzige was bleibt: Der osteuropäische Untergrund, der pausenlos in vermeintlich sichere Systeme einbricht. (fsc, 15.5.2016)

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Wired

  • FBI-Chef James Comey muss sich mit einer peinlichen Enthüllung herumschlagen
    foto: reuters

    FBI-Chef James Comey muss sich mit einer peinlichen Enthüllung herumschlagen

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