Bremen feiert, Stuttgart weint

15. Mai 2016, 13:35
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Werder-Trainer Skripnik zu Klassenerhalt: "Haben nie daran gezweifelt" – Kramny nicht mehr VfB-Coach, Präsident Wahler tritt ab

Bremen/Wolfsburg/Stuttgart – Was mit einem friedlichen Platzsturm von Tausenden Anhängern im Weserstadion kurz nach dem Abpfiff begonnen hat, endete am Pfingstsonntag erst im Morgengrauen. Ausgelassen und grenzenlos erleichtert feierte ganz Bremen mit einer grün-weißen Party die Last-Minute-Rettung des deutschen Bundesligisten Werder Bremen.

Die Bremer, bei denen ÖFB-Teamspieler Zlatko Junuzovic und Florian Grillitsch durchspielten, entschieden die Partie gegen Eintracht Frankfurt dank eines Treffers zwei Minuten vor dem Abpfiff mit 1:0 für sich und beförderten den Gegner in die Relegation.

Verwirrung

"Das war mein wichtigstes Tor", jubelte Stürmer Anthony Ujah. Trainer Viktor Skrpinik hatte ihn nach einer Stunde, als der VfB Stuttgart in Wolfsburg 0:2 zurücklag, mit der Maßgabe auf den Platz geschickt, er solle Werder den Arsch retten. Gesagt, getan. Als Ujah eine Kopfball-Vorlage von Pizarro Richtung Tor weiterleitete, war der Ball drin. Der Stadionsprecher verkündete ihn als Torschützen, erst in den Katakomben wurde Ujah klar, dass die DFL den Treffer offiziell Papy Djilobodji zugeschrieben hatte.

"Wir haben nie daran gezweifelt, dass wir es nicht schaffen würden", erklärte Trainer Skripnik. Auch der sonst so ruhig wirkende Coach zeigte ungewohnte Emotionen, als er nach dem Siegestor aufsprang und auf den Platz stürmte. Das gute Ende einer ziemlich vermurksten Saison heißt nicht, dass bei Werder alles gut ist. Die Trainerfrage – Skripnik hat noch einen Vertrag bis 2017 – bleibt ebenso ein Thema wie die Zusammenstellung des Kaders für die neue Saison.

Zwei Endspiele

Der Niko-Kovac-Klub Frankfurt (ÖFB-Ersatztormann Heinz Lindner saß am Samstag auf der Bank) muss indes weiter zittern. Statt in den Urlaub ging es schon Sonntagfrüh wieder auf den Trainingsplatz. Die beiden Relegations-Partien gegen den 1. FC Nürnberg am Donnerstag und am darauffolgenden Montag sind nun die ultimativen Endspiele um den Verbleib in der Bundesliga. "Es wird nicht geweint, es wird nicht geheult", sagte der scheidende Vorstandschef Heribert Bruchhagen am Samstagabend im ZDF-"Sportstudio". "Unsere Aufgabe ist jetzt, in den nächsten vier Tagen konzentriert zu arbeiten und die Enttäuschung des Augenblicks so schnell wie möglich abzubauen."

Kramny nicht mehr Chefcoach

Zweiter Absteiger neben Hannover 96 ist der VfB Stuttgart. "Ruhe, Stille. Es hat niemand gesprochen", beschrieb Trainer Jürgen Kramny die Stimmung während des Rückflugs der Schwaben aus Wolfsburg, wo man 1:3 verloren hatte. Der erste Bundesliga-Abstieg des VfB nach 1975 hat für den Trainer Konsequenzen. Kramny wurde am Sonntag von seiner Aufgabe als Chefcoach entbunden. Der 44-Jährige hatte die Schwaben am 24. November 2015 übernommen, konnte den ersten Abstieg seit 41 Jahren aber nicht verhindern.

"Sein Vertrag gilt nur für die 1. Liga. Ab jetzt tritt wieder sein vorheriger Kontrakt als Trainer der U23 in Kraft", teilte ein Sprecher des VfB mit. Dass Kramny tatsächlich zur zweiten Mannschaft des Klubs zurückkehrt, die aus der 3. Liga abgestiegen ist, gilt aber inzwischen als fraglich. Kramnys Vertrag endet 2017.

Präsident Wahler geht

Danach hat Bernd Wahler mit sofortiger Wirkung sein Amt als Präsident des VfB niedergelegt. Der 57-Jährige habe sich nach Rücksprache mit dem Aufsichtsrat zu diesem Schritt entschieden, hieß es am Sonntag. "Es ist noch immer unfassbar, wir sind abgestiegen. Dafür übernehme ich die Verantwortung", sagte Wahler.

Bis spätestens Ende Mai soll ein Termin für eine ordentliche Mitgliederversammlung bekanntgegeben werden, auf der dann ein Nachfolger Wahlers gewählt wird. Der scheidende Vereinschef war seit Juli 2013 VfB-Präsident.

Ob Robin Dutt Sportvorstand bleiben wird, war zunächst noch nicht klar. Jedenfalls steht auch er massiv in der Kritik.

"Bitterster Tag meiner Karriere"

Obwohl vor dem Saisonfinale für den Fall eines Sieges in Wolfsburg noch die Chance zur Rettung bestand, ergaben sich die VfB-Profis nahezu kampflos. Ein Aufbäumen war nicht ansatzweise zu erkennen. "Es ist vermutlich der bitterste Tag meiner Karriere. Wir haben die Fans enttäuscht durch unser Versagen", bekannte VfB-Kapitän Christian Gentner, der in Wolfsburg 2009 noch deutscher Meister mit dem VfL geworden war.

Sieben Jahre später wurden Gentner und Co. nach der 19. Saisonpleite – so viele wie noch nie in einer Bundesliga-Spielzeit für den VfB – mit einer Mischung aus Lethargie und Wut konfrontiert. Tausende mitgereiste Fans hatten den Abstieg schweigend auf dem Platz mitverfolgt. Die Stille war immer wieder nur von "Vorstand raus"-Rufen unterbrochen worden. Nach dem Abpfiff hieß es: "Alle, alle, alle könnt ihr gehen."

ÖFB-Teamspieler Martin Harnik dürfte den Absteiger mit Auslaufen seines Vertrages im Sommer verlassen. Die Zukunft von Landsmann Florian Klein ist ebenfalls offen. (APA/dpa, 15.5.2016)

  • Platzsturm im Bremer Weserstadion nach fixiertem Klassenerhalt.
    foto: reuters/wolfgang rattay

    Platzsturm im Bremer Weserstadion nach fixiertem Klassenerhalt.

  • Jubel, Trubel, Heiterkeit.
    foto: reuters/wolfgang rattay

    Jubel, Trubel, Heiterkeit.

  • Niedergeschlagenheit beim VfB Stuttgart.
    foto: afp/peter steffen

    Niedergeschlagenheit beim VfB Stuttgart.

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