Ukrainische Abgeordnete wollen Song Contest auf der Krim austragen

15. Mai 2016, 08:28
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ESC-Direktor geht hingegen vom "wunderschönen Kiew" als Austragungsort 2017 aus – Kritik aus Russland an Siegersong

Stockholm/Wien – Als Siegerin des 61. Song Contests bestimmt die Ukraine den Austragungsort des nächsten Wettbewerbs. Dies könnte zu politischen Verwicklungen führen, weil sich ukrainische Politiker bereits in der Nacht auf Sonntag für eine Austragung auf der russisch besetzten Krim aussprachen. "Der nächste Wettbewerb sollte auf der ukrainischen Krim sein", twitterte die Abgeordnete Switlana Salischtschuk.

Salischtschuk gehört im Parlament dem Block von Präsident Petro Poroschenko an. Dieser hatte den Sieg Jamalas als "unglaublich" bejubelt, Außenminister Pavlo Klimkin ergänzte seine euphorischen Glückwünsche mit dem Satz: "Und nicht vergessen, die Krim gehört zur Ukraine."

Bei Referendum einverleibt

Song-Contest-Direktor Jon Ola Sand geht indes von einer Austragung in Kiew aus. Bei der Pressekonferenz von Siegerin Jamala sagte er in Richtung der ukrainischen Delegation, er sei sicher, "dass wir es schaffen, eine fantastische Veranstaltung im wunderschönen Kiew nächstes Jahr auf die Beine zu stellen". Als er das Wort "Kiew" aussprach, rief ein Teilnehmer der Pressekonferenz den Namen der Krim-Stadt Jalta dazwischen.

Nach dem politischen Umsturz in der Ukraine im Februar 2014 wurde die Schwarzmeer-Halbinsel Krim in einer generalstabsmäßigen Aktion von Russland besetzt. Nach einem international nicht anerkannten Referendum wurde die mehrheitlich von Russen bewohnte Region auch formell der Russischen Föderation einverleibt. Russland wurde wegen der Aggression mit politischen und wirtschaftlichen Sanktionen durch die EU belegt.

In ihrem siegreichen Song "1944" besingt Krimtatarin Jamala die Vertreibung ihres Volkes während des Zweiten Weltkrieges von der Schwarzmeerhalbinsel. Der paranoide sowjetische Diktator Josef Stalin hatte den Krimtataren Kollaboration mit Nazi-Deutschland vorgeworfen. Trotz russischen Protesten gegen den politischen Inhalt hatte die European Broadcasting Union (EBU) den Song zugelassen.

Kritik aus Russland

Russische Abgeordnete haben Jamalas Sieg als politisch motiviert kritisiert. Das Siegerlied sei kein Beitrag zum gesamteuropäischen Kulturdialog, dem sich der Wettbewerb verschrieben habe, sagte der Außenpolitiker Alexej Puschkow. Der ESC verwandle sich in ein politisches Schlachtfeld. Ähnlich äußerte sich der Parlamentarier Konstantin Kossatschjow. Der Erfolg von Jamala sei ein "Sieg des Kalten Krieges" des Westens gegen Russland, meinte er der Agentur Tass zufolge in Moskau.

Der Politiker Ruslan Balbek von der moskautreuen Führung der Halbinsel Krim sprach von einem "Ergebnis der antirussischen Politik". Der Westen habe das Votum des Publikums, das mehrheitlich für den russischen ESC-Kandidaten Sergej Lasarew ("You Are The Only One") gestimmt hatte, ignoriert und einer "ukrainischen Erpressung" nachgegeben. Jamala thematisiert in ihrem Lied die Vertreibung der Tataren von der Halbinsel Krim unter Sowjetdiktator Josef Stalin.

Auch im russischen Staatsfernsehen wurde der ukrainische Sieg kritisiert. Jamala habe durch Punkte einer Jury gewonnen, die im Hinterzimmer ihre Entscheidung getroffen habe, sagte ein Teilnehmer einer Diskussion. (APA, 15.5.2016)

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