Der verlotterte Fußball bekommt eine Generalin

13. Mai 2016, 21:14
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Fatma Samba Diouf Samoura wird neue FIFA-Generalsekretärin

Die Beschreibung seitens ihres bisherigen Arbeitgebers lässt Fatma Samba Diouf Samoura geradezu ideal dafür geeignet erscheinen, den krisengeschüttelten Fußballweltverband (Fifa) als Generalsekretärin zu führen. Nicht nur, dass die 54-jährige Diplomatin aus dem Senegal in Guinea, Kamerun und Dschibuti als Lokalchefin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen gewirkt hat, Frau Samoura habe im UN-Auftrag in den vergangenen 20 Jahren auch "zahlreiche komplexe Notfälle" aus humanitärer Sicht in Ländern wie dem Kosovo, Liberia, Afghanistan und Osttimor bearbeitet. Derzeit ist sie Vertreterin des UN-Entwicklungsprogramms in Nigeria.

"Heute ist ein wundervoller Tag für mich. Ich fühle mich geehrt, diese neue Rolle zu übernehmen", sagte die dreifache Mutter, nachdem sie von Fifa-Präsident Gianni Infantino während des Fifa-Kongresses in Mexiko-Stadt präsentiert worden war. Die Krisenmanagerin, die in Frankreich studiert hat, lange in Rom lebte und vier Sprachen spricht, soll ihre mit jährlich rund zwei Millionen Dollar dotierte Arbeit Mitte Juni aufnehmen. Sie ist "überzeugt, dass diese neue Aufgabe perfekt zu mir, zu meinen Fähigkeiten und zu meiner Erfahrung passt".

Dass der Fußball erst jetzt in ihren Erfahrungsschatz Eingang findet, ficht Infantino nicht an. Es sei "essenziell", neue Perspektiven einzubeziehen, "von außerhalb der traditionellen Funktionärswelt", sagte der Schweizer.

Infantino (46) hat mit Samoura jedenfalls ein Zeichen gesetzt. Noch nie in der 112-jährigen Geschichte der Fifa bekleidete eine Frau ein derart hohes Amt im Weltfußball. Der Posten selbst war auch noch nie so machtvoll. Durch das Ende Februar verabschiedete Reformpaket hat Samoura zumindest der Papierform nach großen Einfluss. Das Generalsekretariat überwacht alle Einnahmen und leitet das operative Geschäft der Fifa.

Infantino könnte mit der Wahl einer Afrikanerin auch seine Hausmacht gefestigt haben. Europa und Afrika stellen zusammen gut die Hälfte aller Mitgliedsverbände des in der Ver gangenheit sehr disparaten Vereins, dessen Generalsekretariat bisher auch stets in europäischen Händen lag.

Infantinos Vorgänger, der von Skandalwellen hinweggespülte Joseph Blatter, hat je nach diplomatischer Notwendigkeit das 21. Jahrhundert in Sachen Fußball im Zeichen der Frauen oder Afrikas gesehen. Einen General, der beides bewahrheitet, hätte er sich nie träumen lassen. (Sigi Lützow, 13.5.2016)

  • Neues Gesicht in der FIFA: Fatma Samba Diouf Samoura
    foto: apa/afp/stephane de sakutin

    Neues Gesicht in der FIFA: Fatma Samba Diouf Samoura

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