Senegalesin Samoura neue Fifa-Generalsekretärin

13. Mai 2016, 18:01
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Präsident Infantino überrascht mit der Nominierung der 54-jährigen Diplomatin, die seit langem für die Vereinten Nationen tätig war

Mexiko-Stadt – Fifa-Präsident Gianni Infantino hat nach elf Wochen im Amt für eine revolutionäre Personalentscheidung im Fußball-Weltverband gesorgt. Die senegalesische Diplomatin Fatma Samoura wird neue Generalsekretärin. Das erklärte Infantino vor den Delegierten des Fifa-Kongresses am Freitag in Mexiko-Stadt. Samoura ist die erste Frau in diesem Amt. Sie hat bisher keine Verbindung zum Fußball-Geschäft.

Seit 1904 kamen alle Fifa-Generalsekretäre aus Europa. Der bisherige Generalsekretär Jérôme Valcke hatte seinen Posten wegen Korruptionsverdacht räumen müssen. "Ich glaube, diese Rolle passt perfekt zu meinen Fähigkeiten und Erfahrungen", wurde Samoura in einer Fifa-Mitteilung zitiert. Die Geschäfte will sie Mitte Juni aufnehmen. Zuvor muss sie sich noch dem eingeführten Integritäts-Check unterziehen.

"Die Fifa hat einen neuen Ansatz ihrer Arbeit – und ich will eifrig eine Rolle spielen, damit der Ansatz effektiv und dauerhaft ist", sagte Samoura. Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Funktionen für die Vereinten Nationen. Derzeit ist die 54-Jährige Vertreterin des Entwicklungsprogramms der UN in Nigeria. "Sie ist daran gewöhnt, große Organisationen zu leiten und große Budgets zu verwalten", sagte Infantino über Samoura.

Für das Welt-Ernährungsprogramm arbeitete sie in Guinea, Kamerun und Djibouti. Sie war in der Nothilfe unter anderem im Kosovo, in Afghanistan und in Sierra Leone tätig. Zudem war sie stellvertretende Koordinatorin des UN-Amts für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) im Tschad und in Nigeria. "Besonders wichtig für die Fifa ist, dass sie weiß, dass Transparenz und Rechenschaftspflicht im Zentrum jeder gut geführten und verantwortungsbewussten Organisation stehen müssen", sagte Infantino.

Entscheidungsprozess beschleunigt

Infantino hatte angekündigt, den wichtigen Posten noch in diesem Sommer zu besetzen. Nun wurde die Personalie schon im Council des Weltverbandes Freitagfrüh in der mexikanischen Hauptstadt behandelt. Infantino war zuletzt unter Druck geraten, da die Suche nach dem Top-Manager viel Zeit beanspruchte. Zuletzt hieß es sogar, dass die Führungskraft erst im Oktober ins Amt kommen würde.

"Ich habe mir Zeit gelassen. Ich habe nicht in der Öffentlichkeit gesucht. Weil dies sorgfältig entschieden werden musste", sagte Infantino nun. Im neuen Führungsdiagramm der Fifa ist der Posten des Generalsekretärs mit der meisten Macht ausgestattet. Samoura wird die Tagesgeschäfte des Weltverbandes führen und ist für alle strategischen Entscheidungen zuständig. Infantino selbst hatte diese Aufgabenverteilung als ein Architekt der Fifa-Reformen befürwortet.

In seinem Wahlkampf hatte er versprochen, einen Generalsekretär aus Afrika zu berufen. Nach der Kür am 26. Februar war er zurückgerudert und hatte modifiziert, den Posten nicht an einen Europäer zu vergeben. Infantino kann nur Vorschläge machen. Für die Berufung war letztlich das neue Council als Fifa-Aufsichtsrat zuständig.

Samoura wird zur Top-Verdienerin unter den hauptamtlichen Fifa-Angestellten. Der entlassene Valcke bekam vergangenes Jahr 1,94 Millionen Euro. Der Franzose steht weiter unter Korruptionsverdacht. Zuletzt führte der Deutsche Markus Kattner die Fifa-Geschäfte auf Interimsbasis. Er ist eigentlich Fifa-Finanzdirektor.

Finanzplan: trotz Minus im Plus

Des weiteren wurde der überarbeitete Finanzplan des Fußball Weltverbandes bis 2018 von den Delegierten einstimmig abgesegnet. Damit einher geht auch die Zuwendung von fünf Millionen Dollar (4,39 Mio. Euro) pro Verband. Dieses Versprechen hatte Präsident Gianni Infantino vor seiner Wahl im Februar gemacht.

Der Fifa-Etat wird dadurch mit 1,178 Milliarden Dollar belastet. Im Jahr 2015 hatte die Fifa ihre Finanzkalkulation um 122 Millionen Dollar verfehlt. Grund dafür sind hauptsächlich Anwaltskosten durch die diversen Korruptionsskandale. Zum Ende des Zyklus solle in zwei Jahren dennoch ein Gewinn von 100 Millionen Dollar stehen, kündigte Interimsgeneralsekretär Markus Kattner an. Einnahmesteigerungen verspreche man sich durch den Verkauf von Marketing- und TV-Rechten.

Kosovo und Gibraltar aufgenommen

Ebenfalls wurden der Kosovo und Gibraltar als Mitglieder 210 und 211 in die Fifa aufgenommen worden. Bei der Vollversammlung am Freitag in Mexiko-Stadt stimmten 141 Mitglieder für den Beitritt des Kosovos. 23 lehnten diesen ab.

Vor zehn Tagen war der Kosovo mit knapper Mehrheit von 28:24-Stimmen in die Uefa aufgenommen worden. Widerstand kam auch diesmal besonders aus Serbien, das den Kosovo nicht als selbstständigen Staat anerkennt. Der serbische Verband kündigte an, vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) zu ziehen.

Mit 172:12-Stimmen fiel das Votum für Gibraltar klarer aus. Die britische Kronkolonie hatte am 2. Mai vor dem CAS erstritten, dass der FIFA-Kongress über die Aufnahme entscheiden muss. Gibraltar gehört seit 2013 der UEFA an und bestritt schon EM-Qualifikationsspiele.

Beide Verbände können nun an der Qualifikation für die WM 2018 teilnehmen. Das genaue Prozedere über die Zuordnung zu den schon ausgelosten Gruppen muss die Uefa vornehmen. (APA, 13.5. 2016)

  • Fatma Samoura, der "frische Wind aus Senegal".
    foto: afp/de sakutin

    Fatma Samoura, der "frische Wind aus Senegal".

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