Türkei: Zahlreiche Tote in Kurdengebieten

13. Mai 2016, 17:36
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Uno fordert Ankara zu Klärung von Foltervorwürfen auf

Ankara – Die Gewalt im Südosten der Türkei hat sich zum Ende der Woche wieder verschärft. Nach offiziellen Darstellungen der türkischen Behörden wurden bis Freitagnachmittag binnen 48 Stunden mindestens 30 Menschen getötet. Unter ihnen waren zumindest acht türkische Soldaten und 22 mutmaßliche Mitglieder der kurdischen Untergrundarmee PKK.

Konkret gab es Auseinandersetzungen und einen Hubschrauberabsturz in der Provinz Hakkari. Zudem kamen in der Provinz Sirnak mehrere Menschen bei Kämpfen um. Vier mutmaßliche Bombenbauer wurden offenbar getötet, als ihr Sprengsatz beim Verladen in ein Auto in die Luft flog.

Anschlag in Istanbul

Die Gewalt zwischen der türkischen Armee und der PKK eskaliert seit dem Ende des vergangenen Sommers, als Friedensgespräche und eine Waffenruhe scheiterten. Neben den Kämpfen im Süden und Osten der Türkei kommt es auch immer wieder zu Anschlägen. Am Donnerstag wurden etwa mindestens sieben Soldaten und ein Zivilist verletzt, als eine Autobombe vor einer Kaserne in Istanbul explodierte. Zu der Tat bekannte sich zwar zunächst niemand, doch gingen die Behörden nach eigenen Angaben davon aus, dass es sich um das Werk PKK-naher Gruppen gehandelt habe. Allerdings hat auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" in den vergangenen Wochen immer wieder blutige Anschläge gegen die Türkei verübt.

Vor dem Hintergrund der Terrorgefahr weigert sich Ankara, so wie von der EU verlangt, Antiterrorgesetze zu ändern. Dies gilt als Voraussetzung dafür, dass die Visaliberalisierung in Kraft treten kann, die Teil des Flüchtlingsdeals Brüssels mit Ankara ist.

Zu wenige Auskünfte

Ein Ausschuss der Vereinten Nationen hat derweil am Freitag von der Türkei Aufklärung über Foltervorwürfe verlangt. Es lägen glaubhafte Berichte vor, wonach die Sicherheitskräfte des Landes vor allem in den Kurdengebieten gegen die Menschenrechte verstoßen hätten.

Konkret gebe es Berichte über Misshandlungen, aber auch über willkürliche Tötungen bei Antiterroreinsätzen. Die Türkei war vor dem Ausschuss angehört worden, hatte aber nach Sicht der UN nicht ausreichend Auskunft gegeben. (red, 13.5.2016)

  • Nahe der kurdischen Stadt Diyarbakir kam es am Donnerstag zu einer Explosion: Vier mutmaßliche Bombenbauer wurden getötet, als ihr Sprengsatz beim Verladen in ein Auto in die Luft flog.
    foto: apa/afp/ilyas akengin

    Nahe der kurdischen Stadt Diyarbakir kam es am Donnerstag zu einer Explosion: Vier mutmaßliche Bombenbauer wurden getötet, als ihr Sprengsatz beim Verladen in ein Auto in die Luft flog.

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