Heta: 75 – 82 – 90 Prozent

Kommentar der anderen15. Mai 2016, 17:00
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Wie es sich gehört: Ein Kompromiss, mit dem beide Seiten unzufrieden sind

Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft" (Bertolt Brecht). Doch ebendiesen Vormarsch haben Vertreter der Republik und Kärntens gemeinsam mit Vertretern der Gläubigergruppen beschritten, wie kürzlich bekannt wurde. Bereits im Jänner 2016 zeichnete sich ein Umstand ab, dass beide Streitparteien gut beraten wären, die Verhandlungen fortzuführen und nicht auf eine ungeordnete Insolvenz zuzusteuern. Vor allem die Republik gemeinsam mit Kärnten und den restlichen Bundesländern konnte kein ernsthaftes Interesse an einer ungeordneten Insolvenz Kärntens haben.

Wir erinnern uns an doch recht provokative Aussagen der Gläubigervertreter bezüglich der Verpfändung des Kärntner Landesvermögens. Doch auch die Gläubiger rund um Ad-hoc-Gruppe (rund 2,5 Mrd. Euro) und Par-Gläubigerpool (rund 1,5 Mrd. Euro) konnten kein ernsthaftes Interesse an jahrzehntelangen Rechtsstreitigkeiten mit ungewissem Ausgang haben. Gewinner wären auf beiden Seiten Wirtschaftsanwälte gewesen.

Hoch gepokert

Es wurde hoch gepokert, und zwar von beiden Seiten. Die Frage, die wohl ungeklärt bleibt, ist, wer mehr zu verlieren hatte. Die Republik Österreich, die riskiert hat, dass sämtliche Bundesländer für Jahre von den internationalen Kapitalmärkten abgeschnitten sind und somit auf Finanzierungen der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA) angewiesen wären. Oder eben die Gläubiger, die mit ihrer Strategie jahrzehntelange Rechtsstreitigkeiten riskiert haben, die wohl mehr Geld verschlungen hätten, als lieb und recht wäre.

Wenngleich die große Solidarität unter den Bundesländern mit Kärnten und Bund ausblieb, bringt der kolportierte Kompromiss zumindest ein Stück Vertrauen in den österreichischen Finanzplatz zurück. Insbesondere deutsche Investoren werden nun wohl wieder offener bezüglich sogenannter Alpenbonds sein, was Österreich wieder ein Stück in die Manege der internationalen Finanzmärkte rückt. Der Ruf österreichischer Bonität scheint international also wieder etwas gestärkt zu sein. Demzufolge ist die Einigung bei 90 Prozent der ausstehenden landesgarantierten Nominale wohl ein Kompromiss, mit dem beide Seiten unzufrieden sein können. Genau, wie es sich für einen guten Kompromiss gehört! (Ron Slomovits, 13.5.2016)

Ron Slomovits ist der Gründer von Rating Advisory in Wien, er berät Kundschaften in den Bereichen Bonität und Rating.

  • Ron Slomovits
    foto: privat

    Ron Slomovits

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