Lustige Streiche auf dem Doppelstern

13. Mai 2016, 16:49
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Das Radio-Symphonieorchester Wien im Konzerthaus mit Nicolas Altstaedt

Wien – Wieder mal ein interessantes Programm beim letzten Abokonzert des Radiosymphonie Orchesters Wien: Richard Strauss, Friedrich Gulda und eine Uraufführung. Macbeth, Strauss' symphonische Dichtung, wirkte nicht unbedingt überprobt, Cornelius Meister steuerte sein Orchester wie einen etwas behäbigen Tanker durch eine schäumende See düstrer Emotionen. Es war sehr schnell und sehr lang sehr laut: Dauerintensität statt Differenziertheit. Überzeugender gerieten Till Eulenspiegels lustige Streiche zum Abschluss des Abends. Das Stück ist eine komprimierte Opera buffa für Orchester; den Part des Schelmen spielen hier meist die Holzbläser, und die spielten ihn wirklich gut. Begeisterung im Großen Saal des Konzerthauses.

Mit Über das farbige Licht der Doppelsterne ... hat Tomasz Skweres seine im Auftrag des ORF-RSO Wien und des Konzerthauses entstandene Komposition betitelt; der 32-jährige Komponist hat sich dafür von den Arbeiten des Physikers Christian Doppler inspirieren lassen. Das etwa 15-minütige, mit einem großen Orchesterapparat (samt Fernorchester) opulent besetzte Werk enthält außer einer überzeugenden dramaturgischen Struktur und einer prägnanten Klangsprache ein bisschen etwas von allem: Klangflächenreibungen, aggressive Attacken des Blechs, freie Girlanden der Geigen und reichlich Doppler-Effekte. Wäre weniger vielleicht doch mehr gewesen?

Durchs Gulda-Land

Zum Zentrum des Programms wurde Nicolas Altstaedts Interpretation von Friedrich Guldas Cellokonzert. Man muss sich das Werk als postkartenbunte Reise ins History-Land der Musik vorstellen, Rock- und Barockkurztrips, Volksmusikidyll und Kirmes-Kehraus inklusive. Altstaedt wiederum kann optisch als der Jonas Kaufmann der Streicherszene beschrieben werden: Ebenmäßige Gesichtszüge werden umrahmt von elastischer Lockenpracht. Wie sein Sängerkollege weiß auch der Leiter des Kammermusifestivals in Lockenhaus auf seinem Instrument beglückend frei, differenziert und packend zu erzählen – wie er im Cadenza-Mittelsatz des Konzerts und in seiner Dutilleux-Zugabe zu demonstrieren wusste. Wunderschön, im Konzerthaus, wohin am Samstag das Festival Gemischter Satz lockt. (Stefan Ender, 13.5.2016)

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