Apitherapie: Bienenstiche gegen Falten

24. Mai 2016, 08:00
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Belege für eine Wirksamkeit der Therapie gibt es nicht. Für Allergiker besteht sogar Lebensgefahr

Bienenstiche für den makellosen Teint: Von einer solchen Behandlung berichtete US-Schauspielerin Gwyneth Paltrow unlängst in der "New York Times". Und gab offen zu: Wehgetan habe das schon. Die sogenannte Apitherapie basiert auf unterschiedlichen Produkten der Bienen und ist in Ländern Osteuropas und China weit verbreitet. Dort kommt Bienengift immer wieder bei der Behandlung unterschiedlichster Erkrankungen – von Rheuma bis Krebs – zum Einsatz.

Wie das angeblich funktioniert: Bei der Apitherapie soll durch das Gift der Biene eine Abwehrreaktion des Körpers hervorgerufen werden: "Und diese Reaktion, so der Gedanke dahinter, könnte vielleicht auch positiv sein", erklärt Werner Aberer, Vorstand der Hautklinik der Med-Uni Graz. Objektive Beweise dafür gibt es aber keine – schon gar nicht für einen hautverjüngenden Effekt: "Da läuft sehr vieles auf einer sehr kuriosen Ebene."

Faltenfrei dank Schwellung

Bei einer Anwendung werden kleine Mengen des Giftes an verschiedenen Stellen unter die Haut injiziert – entweder mittels Spritze, oder gleich durch den Bienenstachel. "Das führt zu einer milden Entzündungsreaktion und einer diskreten Schwellung", sagt Aberer. Falten könnten durch diese Schwellung natürlich ausgebügelt werden – aber freilich nur sehr temporär. Anhänger der Methode argumentieren, dass durch das Bienengift die Stützfunktion der Haut gefördert wird und so Falten langfristig reduziert werden können. Auch dafür fehlen Aberer die wissenschaftlichen Belege.

Dennoch: Immer wieder fragen Patienten nach der Apitherapie. "Ich habe kein Problem damit, wenn jemand damit herumprobiert bei Hautveränderungen, die keiner medizinischen Behandlung bedürfen", sagt Aberer. Denn die Giftsubstanzen im Bienen- und Wespenstachel würden im Normalfall keine nachweisbaren gefährlichen Effekte zeigen. Auch Rückstände und Vernarbungen kommen nicht vor.

Lebensgefahr für Allergiker

Unter Umständen lebensgefährlich können Bienenstiche jedoch für Allergiker sein: Sie können schon auf einen einzigen Stich mit Quaddeln, starken Schwellungen bis hin zum Herz- oder Kreislaufstillstand reagieren: "Und man hört immer wieder auf internationalen Tagungen, dass es Menschen gibt, die sich dieser Behandlung unterziehen und nicht wissen, dass sie allergisch sind."

Ein Problem sei auch, dass vielen Menschen gar nicht klar ist, dass Bienengift eben auch Gift ist – und nicht natürlicher, als andere Giftstoffe, nur weil es von der Biene kommt: "In der Meinung vieler ist das etwas, das von der guten Biene kommt. Die Biene ist ja sehr positiv besetzt."

Kontaktekzem durch Bienenharz

Dieses positive Image kommt auch dem Produkt Propolis zugute – dem Bienenharz, das als Naturheilmittel bei vielen Beschwerden zum Einsatz kommt, etwa bei Fieberblasen oder zur Stärkung des Immunsystems: "Propolis enthält sehr viele aktive Stoffe von der Biene", sagt Aberer. Auch hier fehlen wissenschaftliche Belege. "Solange es dem Einzelnen guttut, ist dagegen nichts einzuwenden", so Aberer.

Nachsatz: "Sobald es jedoch nicht mehr guttut, stehe ich mit erhobenem Zeigefinger da." Denn Propolis ist eines der stärksten Kontaktallergene. Immer wieder kommen Patienten mit großflächigen Kontaktekzemen zu Aberer.

Bienen sterben

Zur Bekämpfung von Falten gibt es jedenfalls andere Lösungen: "Es gibt unterschiedliche Methoden, deren Wirkung durch Studien belegt ist – und die zudem besser kontrollierbar sind als das Bienengift", so Aberer. "Oder man ignoriert diese Falten als Zeichen der Hautalterung einfach."

Und Experten raten zu Zeiten des Bienensterbens überhaupt zu Vorsicht bei der Verwendung von Bienenprodukten: Denn der Stachel der Honigbiene bleibt nach dem Stich in der Haut des Menschen stecken – und die Biene stirbt. (Franziska Zoidl, 24.5.2016)

  • Bienengift wird immer wieder zur Behandlung unterschiedlicher Krankheiten eingesetzt: Belege zur Wirksamkeit fehlen.
    foto: karl-josef hildenbrand/dpa

    Bienengift wird immer wieder zur Behandlung unterschiedlicher Krankheiten eingesetzt: Belege zur Wirksamkeit fehlen.

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