Glosse "Wortkunde": Bildungsoffensive

Glosse15. Mai 2016, 11:00
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Dieser den Militärjargon beleihende Begriff umschreibt die monetären Zuwendungen des Staates an Bildungseinrichtungen

Die Bildungsmisere zeigt sich auf vielfache Weise. Die Politik wird ihrer meist nach Wahlen gewahr. Vor allem Nichtwähler belegen das Ausmaß der Krise. Viele wählen nicht, weil sie glauben, ihr X sei ihre Unterschrift. Wo so eine Wahl doch anonym sein soll.

Dieselbe Saat geht täglich in hiesigen Buntzeitungen auf, die eigentlich mit einem Warnhinweis für jene gekennzeichnet werden sollten, die noch Deutsch lernen müssen. Die Lösung dafür heißt Bildungsoffensive.

Dieser den Militärjargon beleihende Begriff umschreibt die monetären Zuwendungen des Staates an Bildungseinrichtungen (Hinweis an die SPÖ: Inseratenschaltungen in erwähnten Periodika zählen nicht dazu).

Passenderweise forderte kürzlich das Bundesheer die Wiedererrichtung einer Militärakademie. Bildung fürs Heer –, für alle, die je Kontakt hatten, ein schöner Gedanke. Doch es gibt Bedenken wegen des geplanten Angebots.

Zum Beispiel die Ausbildung zum Putschisten. Kritiker bemängeln, diese Karriereoption sei eventuell nicht von der Verfassung gedeckt, der Generalstab hält dagegen, derlei Pipifax dürfe in Bildungsfragen kein Hinderungsgrund sein. Dieselbe Diskussion gibt es wegen des Postgraduate-Studiums zum Warlord.

Ebenfalls umstritten ist auch die Ausbildung zum Schafschützen. Schließlich rangieren Schafe auf der Liste potenzieller Bedrohungen für das Land nur im unteren Drittel, dazu drohe ein Imageschaden für das Heer, seien Schafe doch bei der Bevölkerung recht gut angeschrieben.

Agnostiker stoßen sich an der "Letzten Ölung". Wie bildungsfern! Handelt es sich dabei doch bloß um ein Kurzstudium zum Thema Waffenwartung während Feindbeschusses. Man merkt, die Bildungsoffensive kommt kaum aus dem Graben.

Nicht einmal mit kunstnahem Angebot, zum Beispiel dem Studium der Theaterblutwissenschaft. Dessen Absolventen sollen als Feldstylisten Manöver realistischer erscheinen lassen. Doch der Verteidigungsminister pfiff schon zurück. Zerknirscht musste er einräumen, dass Schminktische im Heeresbudget nur schwer argumentierbar wären. (Karl Fluch, 15.5.2016)

  • Ebenfalls umstritten ist auch die geforderte Ausbildung zum Schafschützen.
    foto: apa / dpa

    Ebenfalls umstritten ist auch die geforderte Ausbildung zum Schafschützen.

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