Mister Maezawas Kaufrausch

13. Mai 2016, 18:21
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Aus ihrer Leidenschaft machen vermögende Asiaten dieser Tage kein Hehl

Yves Klein, diesen Künstler habe er bis vor einer Woche gar nicht gekannt, gestand Edward Zeng Dienstagabend im Gespräch mit dem Kunstmarktchronisten Judd Tully völlig freimütig ein – kurz nachdem der aus Peking zeitgerecht zu den New Yorker Auktionen eingetroffene Mitbegründer des Investmentunternehmens China Bridge Capital sein Debüt als Bieter gab.

Erste Reihe fußfrei hatte sich Zeng im Zuge der Abendauktion Contemporary & Post War bei Christie's (10. 5. 2016) für 3,3 Millionen Dollar Kleins Untitled Blue Monochrome (IKB 108) aus dem Angebot gefischt. Die Intensität des Blaus habe ihn beeindruckt, und China könne einen solch blauen Himmel durchaus vertragen, erklärte er seine Motivation. Nachsatz: Weitere Kunstkäufe würden bald folgen. Die Geburtsstunde eines neuen Sammlers und nicht der einzig spendable aus Asien an diesem Tag, an dem sich bei Christie's Bieter aus 39 Ländern registriert hatten und ein vorerst anonymer Telefonbieter für Jean-Michel Basquiats 1982 gemaltes Großformat ein Vermögen bewilligte: 57,28 Millionen Dollar markieren den höchsten je bei einer Auktion für Basquiat erzielten Wert.

Edelstahl-Lobster

Bei dem Gemälde handelt es sich vermutlich um ein Selbstporträt des Künstlers, das zuletzt 2010 bei der Retrospektive in der Foundation Beyeler gastierte, als Leihgabe jenes Sammler, der es 2004 bei Sotheby's in London ersteigert hatte: für umgerechnet 4,4 Millionen Dollar, womit sich dieses "Investment" nach fast zwölf Jahren mit einem Gewinn jenseits der 50-Millionen-Marke wahrlich lohnte.

Wem der Verkäufer diese fantastische Rendite dankte, blieb, anders als in 99 Prozent solcher Fälle, nur 24 Stunden unbekannt. Denn anderntags outete sich Yusaku Maezawa als Käufer. Der 40-jährige japanische Milliardär verkündete nicht ohne Stolz noch weitere Trophäen, die er für seine Contemporary Art Foundation in Tokio ersteigerte: Bruce Naumans Eat War (1,68 Millionen Dollar), ein Calder-Mobile von 1955 (5,76 Mio.), Richard Princes Runaway Nurse (9,68 Millionen Dollar) und dazu noch einen Edelstahl-Lobster von Jeff Koons (6,88 Millionen Dollar).

Insgesamt schlug sich Maezawas Kaufrausch bei Christie's mit 81 Millionen Dollar zu Buche. Zur Draufgabe gönnte er sich anderntags bei Sotheby's noch Adrian Ghenies Self-Porträt as Vincent van Gogh für läppische 2,59 Millionen Dollar. (kron, Album, 13.5.2016)

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