Restitution in Tranchen

13. Mai 2016, 18:20
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Seit 2012 werden Teile der Plakatsammlung Hans Sachs versteigert. Nun in London

Die 2014 von der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg bezifferte Bilanz von 12.200 Rückgaben war stattlich. Ein Zahlenspiel, das die FAZ entlarvte: Denn die Plakatsammlung des jüdischen Zahnmediziners Hans Sachs war nicht als eine, sondern als 4344 Restitutionen gezählt worden. Schwamm drüber.

Ende 1938 war der in Breslau Geborene über London in die USA geflüchtet. Die mit etwa 12.500 Plakaten weltweit größte Kollektion wurde von den Nazis beschlagnahmt und galt nach dem Krieg als verschollen. Sachs beantragte 1961 Wiedergutmachung und erhielt 225.000 DM. Fünf Jahre später fanden sich doch Teile der Sammlung in einem Keller in Ostberlin. 8000 Plakate, die dem Museum für Deutsche Geschichte übergeben wurden.

Der legendäre Plakatfetischist starb 1974, etwa 30 Jahre später stieß sein Sohn bei Recherchen auf die 4344 im Deutschen Historischen Museum (DHM) verwahrte Blätter und forderte sie zurück. Vorerst vergeblich. 2007 entschied die Limbach-Kommission aufgrund der einst bezahlten Entschädigung gegen die Rückgabe. Dass Peter Sachs die valorisierten 600.000 Euro rückerstatten wollte, blieb unerheblich. Er zog vor Gericht und bekam im Frühjahr 2012 vom Bundesgerichtshof Recht. Die Plakate aus dem DHM-Bestand wurden restituiert, der Rest gilt weiterhin als verschollen.

Im Jänner 2013 gelangte beim New Yorker Auktionshaus Guernsey's eine erste Tranche von rund 1300 Positionen auf den Markt und erzielte knapp 2,5 Millionen Dollar. Das DHM ersteigerte damals 31 Exemplare (rd. 50.000 Euro). Wie viel die zweite Tranche im Herbst des gleichen Jahres einspielte, ist unbekannt, ebenso, warum eine geplante dritte Auktion gar nicht stattfand. Eine entsprechende Standard-Anfrage blieb unbeantwortet.

Gut möglich, dass Peter Sachs mit dem Ergebnis nicht zufrieden war, zumal ihm Guernsey's- Experten insgesamt an die zehn Millionen Dollar in Aussicht gestellt hatten. Nun gelangt bei Christie's South Kensington (8. 6.) eine Gruppe von 100 Plakaten zur Versteigerung, darunter sieben, die erst vor kurzem vom DHM restituiert wurden. Der Schätzwert beläuft sich auf rund 180.000 Pfund (260.000 Dollar).

Im Angebot finden sich auch seltene Lithografien mit Österreichbezug: Plakate zu Secessionsausstellungen von Koloman Moser (5000-7000 Pfund), von Alfred Roller (7000-9000 Pfund) oder von Egon Schiele (2000-3000 Pfund). (kron, Album, 13.5.2016)

  • Schieles Plakat zur 49. Ausstellung der Secession 1918.
    foto: christie's

    Schieles Plakat zur 49. Ausstellung der Secession 1918.


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