Wieden: "Mit oder ohne Bahnhof steigen die Preise"

25. Mai 2016, 10:07
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Im vierten Bezirk wird gebaut. In der Goldeggasse etwa entstehen Mietwohnungen, wo früher die Bestattung Wien zu finden war. In Hauptbahnhofsnähe fürchtet man Spekulanten

In der Goldeggasse im vierten Bezirk bleiben immer wieder neugierige Passanten stehen und schauen sich an, was da im Entstehen ist. Kein Wunder, handelt es sich doch um eine nicht ganz unbekannte Adresse: Hier war die Bestattung Wien untergebracht, bis sie 2012 in eine neue Unternehmenszentrale im elften Bezirk zog.

Als die Soulier Management die 4500 Quadratmeter große Liegenschaft 2011 im Rahmen eines Bieterverfahrens erstand, waren manche Anrainer erzürnt: Sie hätten sich eine kulturelle oder soziale Nutzung gewünscht.

Bestandsgebäude abgerissen

Die Aufregung hat sich mittlerweile gelegt. Bis Ende des Jahres sollen die 99 Mietwohnungen des Projekts Goldegg Gardens fertig sein. Anfangs sei offen gewesen, ob das Bestandsgebäude der Bestattung Wien erhalten bleibt, berichtet Clemens Bauer, der Geschäftsführer des Bauträgers. Beim Architekturwettbewerb, der dann veranstaltet wurde, habe es aber keine einzige Einreichung zum Bestandsgebäude gegeben. Es sei nicht barrierefrei gewesen, die Statik unzureichend, und auch die Trakttiefen seien nicht zeitgemäß gewesen.

Als Sieger des Architekturwettbewerbs ging ein Entwurf der Architekturgemeinschaft Frank & Partner und Shibukawa Eder Architects hervor. Ihr Entwurf sah vor, die Wohnungen in Stadtvillen um eine Parkanlage zu gruppieren.

Eigentumswohnungen gebaut

Bezüglich der Höhe der Miete will Bauer keine Details nennen. Nur so viel: "Wir werden uns am Markt orientieren." Der Vermarktungsstart sei für den Herbst geplant, bisher seien 250 Anfragen eingetroffen.

Die Tatsache, dass hier einst die Bestattung war, soll künftig laut Bauer "nicht mehr in der Vermarktung vorkommen". Dafür sollen die innerstädtischen Grünflächen des Projekts betont werden. Den Immobilienmarkt des vierten Bezirks bewertet er als spannend: "Das ist ein toller Bezirk zum Wohnen."

Das sehen auch andere so: Gleich nebenan wird in der Goldeggasse an Eigentumswohnungen gebaut. Und nicht weit entfernt wurde vor kurzem die Raiffeisen Immobilien mit 86 Eigentumswohnungen fertig. 80 Prozent der Wohnungen sind laut der Maklerin Claudia Huber verkauft.

Spekulanten unterwegs

Bezirksvorsteher Leopold Plasch wünscht sich mehr Mietwohnungen für seinen Bezirk, der zu den teuersten der Stadt zählt. Preise von 10.000 Euro pro Quadratmeter sind hier keine Seltenheit.

"In jedem inneren Bezirk tut sich viel", urteilt Michael Pfeifer von MP Immobilien. Der neue Hauptbahnhof habe auf die Preise im vierten Bezirk – im Gegensatz zu jenen im zehnten Bezirk – keine Auswirkungen gehabt: "Die Preise steigen – ob mit oder ohne Bahnhof." Denn durch den neuen Bahnhof habe sich für die Wieden nicht viel geändert, was die Wohnqualität anbelangt. Und gut an den öffentlichen Verkehr sei man in Wien an vielen anderen Orten auch angebunden. Auch Anleger würden sich noch nicht besonders für Wohnungen mit Nähe zum Bahnhof interessieren: "Aber vielleicht wirkt der Hauptbahnhof später noch."

Spekulanten unterwegs

Auf eine erste Auswirkung weist jedoch Bezirksvorsteher Plasch hin: "Zu meinem Bedauern dürften am Wiedner Gürtel einige Bauten vor dem Abriss stehen." Denn diese Gebäude seien nicht Teil der Schutzzone: "Und ich weiß, dass Spekulanten unterwegs sind. Bei mir haben sich schon Leute darüber beschwert." Spannender als den vierten findet Pfeifer hingegen den fünften Bezirk: Dort seien schon erste Auswirkungen der in Planung befindlichen U5 bemerkbar: "Dort bemerke ich eine Aufbruchsstimmung."

Die Wieden hingegen habe keinen besonderen Ruf: "Die Leute wollen zum Augarten, in die City oder an den Naschmarkt – und nicht in die Nähe des Funkhauses oder in die Argentinierstraße." Zwar grenzt der Vierte auch an das pittoreske Belvedere an, doch dieses sei eher für den dritten Bezirk "spannend", urteilt der Makler. (Franziska Zoidl, 25.5.2016)

  • Der neue Hauptbahnhof wirkte sich laut Experten bisher nicht stark auf die Wohnungspreise des angrenzenden vierten Bezirks aus.
    foto: putschögl

    Der neue Hauptbahnhof wirkte sich laut Experten bisher nicht stark auf die Wohnungspreise des angrenzenden vierten Bezirks aus.

  • 99 Mietwohnungen entstehen im Projekt "Goldegg Gardens".
    foto: soulier management

    99 Mietwohnungen entstehen im Projekt "Goldegg Gardens".

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