Warum immer mehr Wohnprojekte englische Namen haben

20. Mai 2016, 09:00
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Immer mehr Wohnprojekte bekommen schön klingende – und oft nicht ganz einleuchtende – Namen. Besonders beliebt ist dabei die englische Sprache

Wien ist eine Stadt voller Erholungsoasen und paradiesischer Gärten – zumindest wenn man sich die Namen von Wohnprojekten anschaut: Da gibt es den "Garden of Eden", das "Park Living" und die "Goldegg Gardens". Oder die "Park Flats 23", die "Parkapartments am Belvedere" sowie die "Park Residences".

"Prinzipiell versucht man, mit einem Projektnamen einen USP zu betonen", sagt Alexander Bosak, Leiter der Immobilien Research bei Otto Immobilien, der an der FH Wien Immobilienmarketing unterrichtet. Dieser Projektname sollte nicht zu kompliziert sowie positiv konnotiert sein und Interesse wecken, sagt Michael Ehlmaier, geschäftsführender Gesellschafter von EHL Immobilien.

Erst ab gewisser Projektgröße

"Schlecht ist aber, wenn Bestandteile des Namens immer wieder vorkommen" , so Bosak. Bei Namen, die "Park" oder "Living" beinhalten, müsse man "irrsinnig" aufpassen: "Da gibt es eine regelrechte Inflation." Diese Namen seien kaum voneinander unterscheidbar.

In puncto Namensgebung sieht Bosak noch "Professionalisierungspotenzial" in Österreich – wobei sich die Mühen erst ab einer gewissen Projektgröße wirklich auszahlen. Jene Projekte, bei denen Profis dafür engagiert werden, stechen laut Bosak aber stets positiv hervor.

Vorsicht mit Englisch

Wichtig sei, vorab seine Zielgruppen zu definieren und sich auch zu überlegen, ob sich ein – mitunter nicht ganz leicht über die Lippen kommender – englischer Name auszahlt. Meist sind es höherwertige Wohnungen, die einen englischen Projektnamen verpasst bekommen: "Wenn es ein tolles Projekt ist, das internationale Abnehmer findet, dann ist ein englischer Name wichtig. Aber wenn es ein typisches heimisches Produkt ist, dann ist das nicht notwendig", urteilt Bosak.

Immer wieder wird auch auf Abkürzungen gesetzt. Das funktioniert nicht immer, so der Experte: "Man muss aufpassen, dass man Namen nicht so wählt, dass sie keiner mehr versteht."

Ein bisschen Mut kann sich aber durchaus bezahlt machen. Der ungewöhnliche Name des Büroprojekts "Adler und Ameise" im Viertel Zwei sorgte vor Jahren für Aufsehen – und er funktionierte: "Das war ein schräger Name, der sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt hat."

Oft liegt der passende Name fürs Projekt aber ohnehin näher, als gedacht – nämlich wenn das Wohnprojekt eine prominente Adresse hat. Dann sei es ratsam, diese Adresse als Projektnamen zu verwenden, wie etwa beim "Schillerplatz 4" der Seeste.

Mehr oder weniger Aufwand

Auch die Buwog macht das, wenn die Adresse "zugkräftiger als jeder noch so schöne Name ist" wie beim Projekt "Pfarrwiesengasse", berichtet Buwog- Marketingleiterin Ingrid Fitzek: "Der Name sollte dazu beitragen, das Projekt richtig einzuordnen – im Hinblick auf seine Lage, seine architektonische Gestaltung oder spezielle Vorzüge für künftige Nutzer." Ob dieser Englisch, Deutsch, oder, wie etwa beim Projekt Danubio, gar keiner Sprache klar zuzuordnen ist, sei dabei eher zweitrangig.

Bei der Wienwert wiederum gibt man zu, bisher nur wenig Aufwand mit der Namensfindung betrieben zu haben: Die Projekte werden traditionell mit einer Abkürzung der jeweiligen Adresse versehen. "Das ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass wir ursprünglich viele kleine Projekte umgesetzt haben und dafür eigene Markennamen praktisch nicht durchsetzbar waren", erklärt Vorstandsvorsitzender Stefan Gruze. "Künftig konzentrieren wir uns aber auf große Neubauprojekte, und dabei werden eingängige Projektnamen sicher ein Thema sein."

Versprechen halten

Eines ist jedenfalls klar: Jeder noch so hochtrabende Name muss am Ende halten, was er verspricht: Wenn weit und breit kein Park zu finden ist und der Innenhof eine graue Betonwüste ist, sollte von "Garden" oder "Park" bei der Namensgebung also eher Abstand genommen werden.

Die perfekte Wohnung wird aber kein Wohnungssuchender ausschlagen, nur weil der Name nicht passt, sagt Bosak. Er will sich nun mit seinen Studierenden der Frage widmen, welche Rolle der Name eines Wohnobjekts spielt. (Franziska Zoidl, 20.5.2016)

  • Der Traum vom Wohnen im Grünen inspiriert zahlreiche aktuelle Projektnamen. Sie sollten aber auch halten, was sie versprechen.

    Der Traum vom Wohnen im Grünen inspiriert zahlreiche aktuelle Projektnamen. Sie sollten aber auch halten, was sie versprechen.

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